Thema: Spezifische Spielsituation gegen LAG

Hallo Stefanie,

ich habe eine spezifische Frage zu einer besonderen Hand, die ich letztens gespielt habe:

Es war ein 6Max CashGame unter Freunden, die ich natürlich alle sehr gut kenne.

Die Hand lief folgendermaßen ab:

UTG (250bb) --> ich
MP (100bb)
CO (150bb)
BU (250bb) --> mein Gegner in der Hand
SB (200bb)
BB (100bb)

UTG raise auf 3bb mit 9  :heart: 6 :spade:
Da ich die letzten paar Orbits extrem tight war, dachte ich, dass ich viel Respekt für ein UTG raise erhalten würde, weshalb ich hier auch eine Hand eröffne, die sonst nie in meiner UTG-Range ist.

MP und CO folden.

BU callt.
Der BU ist ein sehr guter Freund von mir und der Spieler, den ich am besten kenne. Haben schon sehr viel miteinander gespielt. Er ist sehr loose und spielt gerne Pots, wenn Spieler deep sind. Ich denke, dass er hier wirklich any two callen wird, da wir beide 250bb deep sind.

SB und BB folden.

Der Flop kommt: 10  :spade:  9 :spade: 4  :diamond:

Ich checke hier, da ich denke, dass er mich viel zu oft bluffraisen wird und ich meine Hand aber ungern direkt am Flop  bet-folden möchte. Ich denke, wenn ich hier checke, wird er seine gesamte Range betten, gegen die ich mit meiner 9 vorne bin.

Er bettet 6bb und ich calle.

Turn kommt 9  :club:.
Natürlich eine sehr schöne Karte für mich. Da ich jedoch davon ausgehe, dass mein Gegner immernoch nichts hat, aber sehr gerne SecondBarrels abfeuert, check ich erneut.

BU bettet 17bb und ich calle.
Auch wenn der FD liegt, will ich hier nicht raisen. Ich bin mir 100% sicher, dass er den FD zwar nicht weglegen würde, ich aber auf einem  :spade:  River eine miese Entscheidung hätte, da er diesen auch mit einem Bluff (bzw. seine schlechteren MadeHands in einen Bluff turnen) immer betten würde. Falls er jedoch nichts hat, wird er hier am Turn folden und mein Raise bringt mir kein Value. Wenn er den FD hat, wird er das Turnraise callen, aber bei einer Blank am River (bzw. kein Spade) nicht mehr bluffen. Deswegen denke ich, dass ich hier mehr Value am River durch einen Call am Turn erhalte, wenn ich den River c/c spiele (außer natürlich ich treffe mein Full, bei dem ich c/r spielen würde).

Der River kommt J  :diamond:

Ich checke erneut und mein Gegner überlegt sicherlich fünf Minuten (zählt sogar schon eine ca 40bb große Bet in Chips ab) bevor er behindcheckt und seine Karte muckt.

Jetzt frage ich mich, ob meine Gedanken zum Turn und Riverplay hier gut waren, oder ob es eine bessere Line gäbe. Was sagst du dazu?

Würde mich über eine Antwort sehr freuen.
Gruß
5BetShove

Re: Spezifische Spielsituation gegen LAG

Hi 5BetShove,

mein erste Frage ist: Wie um alles in der Welt kommst auf die Idee mit 9 6 offs UTG zu raisen? Selbst wenn Du die letzten Orbits tigt warst, wenn die Hand wenigsten suited gewesen wäre? Wenn so auf diese Art und Weise um viel Geld spielst, dann mache ich gerne bei eurer Runde mit!  smile  smile  smile

Leider kann ich Deine Gedankengänge über diese Hand fast überhaupt nicht nachvollziehen. Sicherlich spielst auch aus reinem Spaß mit Deinen Freunden und aus diesem Grund sind Deine Gedankengänge etwas schwierig nach zu vollziehen. Sie sind vollkommen unterschiedlich zu den Gedanken, die man sich normalerweise an einem Cashgame Tisch macht, an dem man wirklich Geld verdienen möchte.

Ich kann nur sagen, dass ich die Hand die Du gespielt hast von Anfang an sehr unvernünftig finde. Das Du dann einen Drilling getroffen hast, war absolutes Glück und damit ist es auf Dauer sehr schwierig, Cash oder Turniere zu gewinnen.

Auch Dein Freund, hätte nach dem Flop eine klare Entscheidung treffen müssen, entweder All-In, wenn er getroffen hat oder checken falls nicht. Das ist der Part an Deiner Hand bei dem ich annähernd Deine Gedanken verstehen kann.

Bitte sei mir nicht böse, wenn meine Antwort an manchen Stellen etwas zynisch klingt, es ist wirklich nicht so gemeint. Aber ein Spiel unter Freunden, die immer zusammen spielen, läuft einfach komplett anders ab als wenn es erst wird.

Ich wünsche dir ein gutes Blatt und
beste Grüße
big_smile
Stefanie

Re: Spezifische Spielsituation gegen LAG

Stefanie Bergener schrieb:

Hi 5BetShove,

mein erste Frage ist: Wie um alles in der Welt kommst auf die Idee mit 9 6 offs UTG zu raisen? Selbst wenn Du die letzten Orbits tigt warst, wenn die Hand wenigsten suited gewesen wäre? Wenn so auf diese Art und Weise um viel Geld spielst, dann mache ich gerne bei eurer Runde mit!  smile  smile  smile

Das UTG Raise habe ich ja erklärt...verstehe jedoch deine Erklärung mit suited nicht. Der EquityUnterschied zwischen suited und offsuited beträgt maximal 2%...vor allem an einem Tisch, an dem jeder deep ist, scheint mir das jetzt nicht der ausschlaggebende Punkt zu sein.

Stefanie Bergener schrieb:

Leider kann ich Deine Gedankengänge über diese Hand fast überhaupt nicht nachvollziehen. Sicherlich spielst auch aus reinem Spaß mit Deinen Freunden und aus diesem Grund sind Deine Gedankengänge etwas schwierig nach zu vollziehen. Sie sind vollkommen unterschiedlich zu den Gedanken, die man sich normalerweise an einem Cashgame Tisch macht, an dem man wirklich Geld verdienen möchte.

Auch wenn wir unter Freunden spielen, ist es trotzdem jedem wichtig gute Entscheidungen zu treffen bzw. genau über jede Situation nachzudenken...ist ja nicht so, dass wir aus Spaß einfach mal die Chips in die Mitte werfen. Welche Gedanken kannst du denn nicht nachvollziehen? Ok, das PF Play ist weird, aber das habe ich ja erklärt...was genau würdest du anders machen?


Stefanie Bergener schrieb:

Ich kann nur sagen, dass ich die Hand die Du gespielt hast von Anfang an sehr unvernünftig finde. Das Du dann einen Drilling getroffen hast, war absolutes Glück und damit ist es auf Dauer sehr schwierig, Cash oder Turniere zu gewinnen.

Was genau ist an meinem FlopPlay unvernünftig? Waren meine Gedanken so falsch? Dass ich am Turn den Drilling treffe ist zwar schön, ändert jedoch nicht wirklich etwas daran, was ich für die Hand geplant hatte. Ich sagt ja, dass die gegnerische Range am Flop sehr blufflastig ist...das heißt ich hätte den Turn trotzdem c/c gespielt.

Stefanie Bergener schrieb:

Auch Dein Freund, hätte nach dem Flop eine klare Entscheidung treffen müssen, entweder All-In, wenn er getroffen hat oder checken falls nicht. Das ist der Part an Deiner Hand bei dem ich annähernd Deine Gedanken verstehen kann.

Das verstehe ich nun überhaupt nicht mehr? Er soll bereits am Flop mit 250bb in einem 7,5bb Pot AllIn gehen??? Und immer nur fit or fold zu spielen stimmt doch auch nicht...was genau meinst du damit?

Finde die Situation sehr interessant und würde gerne mehr von dir dazu hören. smile

Gruß 5BetShove

Re: Spezifische Spielsituation gegen LAG

Hallo 5BetShove,

genauer gesagt ist der Unterschied zwischen 96 off (6,77%) und 96 s (10,65%) schon ein bisschen mehr als Du annimmst. Suited schenkt dir einfach noch die Möglichkeit eines Flush bzw Straight Flush dazu. Das ist der Unterschied.

Folgende Punkte verstehe ich nicht:

Der BU ist ein sehr guter Freund von mir und der Spieler, den ich am besten kenne. Haben schon sehr viel miteinander gespielt. Er ist sehr loose und spielt gerne Pots, wenn Spieler deep sind. Ich denke, dass er hier wirklich any two callen wird, da wir beide 250bb deep sind.
Man kann doch nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass ein Gegner mit any two callen wird, er könnte auch gute Karten auf der Hand halten.

Ich checke hier, da ich denke, dass er mich viel zu oft bluffraisen wird und ich meine Hand aber ungern direkt am Flop  bet-folden möchte. Ich denke, wenn ich hier checke, wird er seine gesamte Range betten, gegen die ich mit meiner 9 vorne bin.

Er bettet 6bb und ich calle.
Wenn Du checkst, weil Du Angst hast, daß er ein Bluffraise macht und Du dann folden musst. Warum sagst Du dann im nächsten Satz, daß Du hier checkst, damit er seine gesamte Rage setzt? Wenn Du sowieso zu 100% sicher bist, daß er blufft, dann kannst Du doch auch sein Bluffreraise genauso callen, wie Du sein Bluffraise All-In callen wolltest!?

Auch wenn der FD liegt, will ich hier nicht raisen. Ich bin mir 100% sicher, dass er den FD zwar nicht weglegen würde, ich aber auf einem    River eine miese Entscheidung hätte, da er diesen auch mit einem Bluff (bzw. seine schlechteren MadeHands in einen Bluff turnen) immer betten würde. Falls er jedoch nichts hat, wird er hier am Turn folden und mein Raise bringt mir kein Value. Wenn er den FD hat, wird er das Turnraise callen, aber bei einer Blank am River (bzw. kein Spade) nicht mehr bluffen. Deswegen denke ich, dass ich hier mehr Value am River durch einen Call am Turn erhalte, wenn ich den River c/c spiele (außer natürlich ich treffe mein Full, bei dem ich c/r spielen würde).

Du weißt, daß Du auf Grund eines FD ein großes Risiko eingehst, daß Du selbst minimieren könntest, wenn Du statt einem call ein Reraise machst. Du gewinnst genauso seine Chips, wenn erfoldet und callt er trotzdem mit einem FD und die Karte kommt auf dem River hattest Du Pecht, ansonsten hast Du ein Problem, weil Du Dir überlegen musst ob Du den River anschaust oder nicht. Du machst es Dir letztendlich schwierigen. Mehr Risiko und Probleme als sein müssten. Würdest Du das auch machen, wenn Ihr in dieser Hand um 5000,- Euro spielt?

Die oberen Punkte beantworten somit auch den dritten Teil deiner Frage.

Das verstehe ich nun überhaupt nicht mehr? Er soll bereits am Flop mit 250bb in einem 7,5bb Pot AllIn gehen??? Und immer nur fit or fold zu spielen stimmt doch auch nicht...was genau meinst du damit?

Finde die Situation sehr interessant und würde gerne mehr von dir dazu hören.

Ok, er hätte vielleicht nicht All-In gehen müssen, aber letztendlich hat er durch seine Raises auf Flop und Turn insgesamt 26 bb verloren, wenn er dich aus der Hand bekommen möchte, dann muss er agressiver spielen oder von Anfang an so einer Konfrontation mit Dir aus dem weg gehen. Bluffen und Raisen bis zum Turn ist eine Geschichte, die nicht zu Ende erzählt wurde. An einem anderen Pokertisch sieht sofort jeder Fremde diese Schwäche deines Freundes und wird sie ausnützen.

lg
Stefanie

Re: Spezifische Spielsituation gegen LAG

Stefanie Bergener schrieb:

Hallo 5BetShove,

genauer gesagt ist der Unterschied zwischen 96 off (6,77%) und 96 s (10,65%) schon ein bisschen mehr als Du annimmst. Suited schenkt dir einfach noch die Möglichkeit eines Flush bzw Straight Flush dazu. Das ist der Unterschied.

Folgende Punkte verstehe ich nicht:

Der BU ist ein sehr guter Freund von mir und der Spieler, den ich am besten kenne. Haben schon sehr viel miteinander gespielt. Er ist sehr loose und spielt gerne Pots, wenn Spieler deep sind. Ich denke, dass er hier wirklich any two callen wird, da wir beide 250bb deep sind.
Man kann doch nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass ein Gegner mit any two callen wird, er könnte auch gute Karten auf der Hand halten.

Ich sage ja auch nicht, dass anytwo hier immer Trash sind. Any two sind für mich die komplette Range an Karten...also auch gute Hände. Natürlich kann er hier auch AA halten, aber das schließe ich ja mit meiner Aussage nicht aus.

Ich checke hier, da ich denke, dass er mich viel zu oft bluffraisen wird und ich meine Hand aber ungern direkt am Flop  bet-folden möchte. Ich denke, wenn ich hier checke, wird er seine gesamte Range betten, gegen die ich mit meiner 9 vorne bin.

Er bettet 6bb und ich calle.
Wenn Du checkst, weil Du Angst hast, daß er ein Bluffraise macht und Du dann folden musst. Warum sagst Du dann im nächsten Satz, daß Du hier checkst, damit er seine gesamte Rage setzt? Wenn Du sowieso zu 100% sicher bist, daß er blufft, dann kannst Du doch auch sein Bluffreraise genauso callen, wie Du sein Bluffraise All-In callen wolltest!?

Ich will einfach eine bessere Situation für mich schaffen, meine Hand mag zwar vorne sein, muss es aber nicht. Ich weiß nur dass ich mit meiner 9 genug Showdownvalue habe und deswegen gerne zum Showdown möchte. Wenn ich bette und er raist, wird das ganze für mich aber sehr teuer. Ich bin hier ja entweder sehr weit vorne (außer er hat den FD...) oder komplett crushed.

Warum sollte ich den Pot in so einer Situation unnötig aufblähen? Und dass er hier nichts hat, habe ich nie gesagt - ich meinte nur, dass er solche Boards oft bluffraisen wird - er kann hier ja genausogut KK halten und for Value raisen. Seine Range aus Bluffs und MadeHands ist hier gut gebalanced, deswegen entscheide ich mich für einen CheckCall, da ich mich ungern selbst valuetownen will.

Und wo genau habe ich gesagt, dass ich ein AllIn callen würde? Am Flop wird es hier doch nieeee zu einem AllIn kommen...versteh nicht genau wie das möglich sein soll, wenn wir einen Pot von 7,5bb haben und beide mit 250bb dasitzen...

Auch wenn der FD liegt, will ich hier nicht raisen. Ich bin mir 100% sicher, dass er den FD zwar nicht weglegen würde, ich aber auf einem    River eine miese Entscheidung hätte, da er diesen auch mit einem Bluff (bzw. seine schlechteren MadeHands in einen Bluff turnen) immer betten würde. Falls er jedoch nichts hat, wird er hier am Turn folden und mein Raise bringt mir kein Value. Wenn er den FD hat, wird er das Turnraise callen, aber bei einer Blank am River (bzw. kein Spade) nicht mehr bluffen. Deswegen denke ich, dass ich hier mehr Value am River durch einen Call am Turn erhalte, wenn ich den River c/c spiele (außer natürlich ich treffe mein Full, bei dem ich c/r spielen würde).

Du weißt, daß Du auf Grund eines FD ein großes Risiko eingehst, daß Du selbst minimieren könntest, wenn Du statt einem call ein Reraise machst. Du gewinnst genauso seine Chips, wenn erfoldet und callt er trotzdem mit einem FD und die Karte kommt auf dem River hattest Du Pecht, ansonsten hast Du ein Problem, weil Du Dir überlegen musst ob Du den River anschaust oder nicht. Du machst es Dir letztendlich schwierigen. Mehr Risiko und Probleme als sein müssten. Würdest Du das auch machen, wenn Ihr in dieser Hand um 5000,- Euro spielt?

Ich habe nie gesagt welche Stakes wie spielen. wink
Das ist der Schlüssel, bei dem ich mir ja so unsicher bin, welche Line den höheren EV hat. Ich habe gedacht, dass ich durch einen einfachen Call mehr Schwäche zeigen kann und er am River eine ThirdBarrel ansetzt (sei es for Value, ThinValue oder eben als Bluff). Wenn er pure Air oder eine mittelmäßige bis schwache MadeHand hält, wird er ja auf mein Turnraise folden. Calle ich jedoch könnte er je nach Karte seine MadeHand für gut genug halten um noch eine Bet zu feuern, oder aber seine weake MadeHand in einen Bluff turnen, weil er denkt, dass ich selbst keine starke Hand halten kann (meine passive Line trotz drawy board deutet ja darauf hin).

Die oberen Punkte beantworten somit auch den dritten Teil deiner Frage.

Das verstehe ich nun überhaupt nicht mehr? Er soll bereits am Flop mit 250bb in einem 7,5bb Pot AllIn gehen??? Und immer nur fit or fold zu spielen stimmt doch auch nicht...was genau meinst du damit?

Finde die Situation sehr interessant und würde gerne mehr von dir dazu hören.

Ok, er hätte vielleicht nicht All-In gehen müssen, aber letztendlich hat er durch seine Raises auf Flop und Turn insgesamt 26 bb verloren, wenn er dich aus der Hand bekommen möchte, dann muss er agressiver spielen oder von Anfang an so einer Konfrontation mit Dir aus dem weg gehen. Bluffen und Raisen bis zum Turn ist eine Geschichte, die nicht zu Ende erzählt wurde. An einem anderen Pokertisch sieht sofort jeder Fremde diese Schwäche deines Freundes und wird sie ausnützen.

Willst du damit sagen, dass ein guter Bluff immer große Bets erfordert? Die Betsizes müssen doch nur seine ValueRange repräsentieren, damit seine Geschichte stimmt. Und ich sage ja, dass ich den Turn calle, weil ich davon ausgehe, dass er den River betten wird. Was genau verrät ihn jetzt? Und wie genau würde seine Schwäche (versteh ehrlich gesagt nicht genau was hier seine Schwäche ist...) ausgenützt werden können, wenn seine Line gut gebalanced ist?

lg
Stefanie


Vielen Dank für deine ausführliche Antwort - find ich klasse, dass du dir Zeit für mein Problem nimmst. smile

Gruß 5BetShove

Re: Spezifische Spielsituation gegen LAG

Hallo 5BetShove,

letztendlich wollte ich Dir mit meiner ersten Aussage nur erklären, daß du wenn du nicht mit deinen Freunden spielst, wirklich ein bisschen sorgfältiger deine Karten auswählen musst. Es hilft dir doch nicht weiter, wenn ich ein dummer Ratgeber bin und schreibe, deine Idee mit dem UTG Raise ist gut gewesen. Ich habe früher viele dumme Ratschläge bekommen, einfach aus dem Grund, weil natürlich jedem am Tisch recht ist, wenn ICH Fehler mache.

Ich will einfach eine bessere Situation für mich schaffen, meine Hand mag zwar vorne sein, muss es aber nicht. Ich weiß nur dass ich mit meiner 9 genug Showdownvalue habe und deswegen gerne zum Showdown möchte. Wenn ich bette und er raist, wird das ganze für mich aber sehr teuer. Ich bin hier ja entweder sehr weit vorne (außer er hat den FD...) oder komplett crushed.

Warum sollte ich den Pot in so einer Situation unnötig aufblähen? Und dass er hier nichts hat, habe ich nie gesagt - ich meinte nur, dass er solche Boards oft bluffraisen wird - er kann hier ja genausogut KK halten und for Value raisen. Seine Range aus Bluffs und MadeHands ist hier gut gebalanced, deswegen entscheide ich mich für einen CheckCall, da ich mich ungern selbst valuetownen will.

Und wo genau habe ich gesagt, dass ich ein AllIn callen würde? Am Flop wird es hier doch nieeee zu einem AllIn kommen...versteh nicht genau wie das möglich sein soll, wenn wir einen Pot von 7,5bb haben und beide mit 250bb dasitzen...

Ehrlich gesagt solltes Du nur einen Showdown wollen, wenn Du mit der absoluten Nuts am Tisch sitzt Drilling 9 ist zwar gut, aber wenn er mit Pocket 4 oder Pocket 6 mitgegangen ist, was nicht unwarscheinlich ist, dann würde ein guter Spieler Dich voll ins Messer laufen lassen, weil er ständig sein Spielverhalten ändert, damit Du genau diesen Fehler begehst. Ich gehe jetzt nicht von der Pokerrunde mit deinen Freunden aus. Sicherlich wirst du auch mal mit anderen Spielern am Tisch sitzten wollen und dann ist es gut, wenn du die Dinge von einer anderen Warte aus siehst!

Ich checke hier, da ich denke, dass er mich viel zu oft bluffraisen wird und ich meine Hand aber ungern direkt am Flop  bet-folden möchte. Ich denke, wenn ich hier checke, wird er seine gesamte Range betten, gegen die ich mit meiner 9 vorne bin.

Hier sagst Du,das du denkst erbettet seine gesamte Range, mit der du gegen 9 vorne bist, was aber nicht in jedem Fall stimmt. Für mich klingt das als ob du alles callen würdest, nur weil du denkst, er blufft sowieso nur.

Ich habe nie gesagt welche Stakes wie spielen.
Das ist der Schlüssel, bei dem ich mir ja so unsicher bin, welche Line den höheren EV hat. Ich habe gedacht, dass ich durch einen einfachen Call mehr Schwäche zeigen kann und er am River eine ThirdBarrel ansetzt (sei es for Value, ThinValue oder eben als Bluff). Wenn er pure Air oder eine mittelmäßige bis schwache MadeHand hält, wird er ja auf mein Turnraise folden. Calle ich jedoch könnte er je nach Karte seine MadeHand für gut genug halten um noch eine Bet zu feuern, oder aber seine weake MadeHand in einen Bluff turnen, weil er denkt, dass ich selbst keine starke Hand halten kann (meine passive Line trotz drawy board deutet ja darauf hin).

Trotzdem spielst du ja um zu gewinnen und fragst hier nach um eine zweite Meinung zu hören. Also muss ich dir sagen, du solltest immer so spielen, als ob es um viel Geld geht, Du willst doch viel viel Geld fit werden, oder?  Logischer weise spiele ich freeplay auch ganz anders, aber wichtig ist, die richtigen Überlegeungen für teueres Geld fällen zu können. Nur das wollte ich dir hiermit erklären  smile

Willst du damit sagen, dass ein guter Bluff immer große Bets erfordert? Die Betsizes müssen doch nur seine ValueRange repräsentieren, damit seine Geschichte stimmt. Und ich sage ja, dass ich den Turn calle, weil ich davon ausgehe, dass er den River betten wird. Was genau verrät ihn jetzt? Und wie genau würde seine Schwäche (versteh ehrlich gesagt nicht genau was hier seine Schwäche ist...) ausgenützt werden können, wenn seine Line gut gebalanced ist?

Es kommt auf die Form des Bluffs an, aber natürlich auch auf deinen Gegner. Bei einem Turnier wird sich jeder zweimal überlegen, ob er einen hohen Einsatz bezahlt, der ihm das Turnier kosten würde. Beim Cashgame kommt es darauf an, wieviel Geld dein Gegner zur Verfügung hat. Ein Bluff ist ein Spiel mit Karten, die nichts getroffen haben und wenn Geld im Pot ist, muss ich mir den besten Weg überlegen, wie ich den anderen los werde. Meiner Meinung nach ist seine Schwäche, daß er offensichtlich mit nichts auf der Hand gesetzt hat und damit dann den Pot an dich verloren hat. Hast Du heraus gefunden, welche Karten er hatte?

Nehme mir immer wieder gerne Zeit! smile  Du bist ja auch kein dummer und machst dir Gedanken um meine Antworten, daß finde ich cool  big_smile
LG
Stefanie

Re: Spezifische Spielsituation gegen LAG

Hallo Jungs und (man glaubt es kaum) Mädels big_smile

gerade im Deep Game mit 250bbs am Tisch solltest du extrem viel Wert auf Position legen, denn das ist viel wichtiger als deine Hand-equity preflop. Vorallem suited Hände haben da viel mehr play ability und das wollte Stefanie wohl zum Ausdruck bringen. Ein 96o im Vergleich zu 96s ist preflop an equity gegen verschiedene Hände kaum ein Unterschied, allerdings ist die Spielbarkeit deutlich stärker bei einer suited Hand. Wenn du nie die initiative übernehmen möchtest gegen deinen Kumpel, dann lass die Hand UTG einfach weg! Er macht es ja im Prinzip genau richtig wenn er loose gegen dich in Position spielt, wenn er weiss dass er dir damit große Probleme bereitet.
Meine Line in deiner Hand wenn du schonmal am Flop bist.
c/c flop --- wenn du bettest und du bist dir sicher dass er oft raised, müsstest du immer folden und kannst nie dagegen spielen... auch wenn du weisst dass er IMMER raised, reicht es out of position nicht aus auf Verdacht den Flop dann zu callen... auf T94 hat er ja sogar mit z.B. KQ noch massig equity und die Position gegen dich
c/c turn --- du unter repräsentierst deine Hand und evtl bekommst du bluffs. Immer wenn du hier versuchst viel Geld reinzuschieben sieht es schlecht für dich aus wenn ihr mit 250 big blinds spielt.
c/c river --- auch wenn der flush am River ankommt würde ich hier callen, da deine Hand nicht so stark aussieht wie sie eigentlich ist und er kann es evtl mit bluffs übertreiben. Wir erinnern uns --- wenn der Gegner Potsize bettet, brauchst du nur 33% zum callen, bettet er weniger, brauchst du auch weniger... seine Riverbet wird meistens unter Potsize sein und dann wegzuwerfen wäre in vielen Fällen schon fatal.

am River willst du ein Fullhouse c/r spielen sagt du. Wenn du eine 6 bekommst wird er nie 66 haben. Gegen 44 bekommst du volle Auszahlung. Gegen TT und T9 verlierst du. Manchmal muss man sich Fragen ob es wirklich Sinn macht nochmal drüber zu gehen. Das soll einfach mal zum Nachdenken anregen..... klar, wenn er A9 hat und dich auszahlt ist es gut, allerdings sollte er sowas gegen einen c/r am River fast immer wegwerfen.

dont forget: 96s in Position ist für 250bb stärker als AQo out of position

Re: Spezifische Spielsituation gegen LAG

Hey bodo,

vielen Dank für deinen Kommentar. Das mit dem PF Play habe ich ja oft genug erläutert - sicherlich nicht mein StandardPlay und diskussionswürdig.

Finde auch klasse, dass du deine Line in der Hand PostFlop geschildert hast - finds ganz cool, dass ich Flop Turn und River genauso gespielt habe. smile

Und das in deepen Händen Posi viel wert ist und gerade spekulative Hände an Wert gewinnen ist mir schon klar. ^^