Der verbesserte Phil Hellmuth

Es gibt nur wenige Profis im Pokerzirkus, bei denen die Meinungen der Fans so weit auseinandergehen, wie bei Phil Hellmuth Jr. Viele Jahre war es so: unter Amateuren war Hellmuth Jr. das Aushängeschild des Poker. Durch seine ständige Medienpräsenz, seine zahlreichen Cashes und Bracelets bei der WSOP und sein lustig, wütendes Auftreten als “Poker Brat” war Hellmuth mehr Marke als Mensch. Profispieler und “echte” Pokerenthusiasten belächelten Hellmuth jedoch aufgrund seiner mäßigen Erfolge bei CashGames und deklarierten ihn als Clown. Die wahren Pokeridole waren für diese Riege eher Spieler wie Phil Ivey, Patrik Antonius und Tom Dwan.

Bei der diesjährigen World Series of Poker zeigte sich jedoch ein neuer Hellmuth: ruhig, zuvorkommend und ohne große Show. Dazu spielte der Mann auch noch fantastisches Poker und sicherte sich in einer nicht Hold’em Disziplin sein zwölftes Bracelet. Im Anschluss gab es dann auch keine Lobhymnen auf das eigene Ego, sondern interessante Einblicke in Hellmuths Game und seine Einschätzung zu Turnieren und gegnerischen Spielern. Kurz gesagt: Phil Hellmuth Jr. hat eine zuvor nicht gesehene Professionalität an den Tag gelegt, die sowohl Fans als auch Zweifler vollends überzeugte.

Persönlich war ich immer der Meinung, dass Hellmuths teilweise seltsam anmutendes Game perfekt auf große Turniere mit vielen schlechten Spielern angepasst ist. Dass er damit kein Land in starken High Stakes Partien sieht, ist deswegen auch kein Wunder. Seine übertriebene Selbstbeweihräucherung bei der WSOP und anderen TV-Events war zwar teilweise nervig, aber immerhin unterhaltsamer als vermummte Grinder, die den Mund nicht aufbekommen. In diesem Sinne gratuliere ich Phil Hellmuth Jr. zu seinem historischen Erfolg und hoffe, dass der neue Hellmuth Jr. weiterhin Erfolge bei seiner geliebten World Series of Poker feiern kann. Das 13. Bracelet wird kommen – das ist sicherlich nur eine Frage der Zeit.

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