Keep cool, Baby!

Jeder kennt sie, jeder hasst sie: Die Situationen, in denen man sich mit einer Favo-Hand schon die Hände reibt, dann aber durch einen Bad Beat noch verliert. Durch „crazy moves“ meiner Gegner habe auch ich zu Beginn meiner Pokerkarriere viel Lehrgeld bezahlt. Aber nicht deshalb, weil ich permanent Opfer von Bad Beats oder Suckouts wurde, sondern weil ich zugelassen habe, dass Emotionen in der Folge mein Spiel kontrollieren. Mein A-Game wurde dadurch schlicht unmöglich und auch wenn die Sessions bis dato hervorragend verliefen, ließ ich mich durch härtere Bad Beats völlig aus der Erfolgsspur werfen. Ich war ein potentieller Winning Player, hatte aber meine Emotionen nicht im Griff. An dieser Stelle möchte ich auch gerne einen bekannten Poker-Profi erwähnen: Mike „The Mouth“ Mattusow hat ebenfalls die emotionale Schwäche, durch kontinuierlich gutes Poker erzielte Gewinne mit katastrophalen Fehlentscheidungen wieder zu verlieren. In Anlehnung an Mattusow spricht man daher auch von „Mike Mattusow Blow-ups“. Von einem Blow-up ist also immer dann die Rede, wenn sich ein Spieler durch eine schlechte Entscheidung um den Lohn seiner Arbeit bringt und unnötigerweise Chips verliert. Blow-ups sind zum Beispiel – an der Wahrscheinlichkeit gemessene – dumme All-Ins oder hyperaggressive Entscheidungen, die quasi zum Verlieren verdammt sind. Solche Aktionen führen oft zu einem Teufelskreis, wodurch der Spieler, der ohnehin schon on tilt ist, durch falsches oder nur suboptimales Bankroll-Management noch mehr Geld verliert. Ich musste also umdenken und war auf der Suche nach einer passenden Strategie, mit welcher ich mein mitunter viel zu emotionales Game zügeln konnte. Schließlich lernt ein wirklich guter Poker-Spieler mit der Zeit, solche aussichtslosen Spielsituationen zu umgehen. Er investiert nur dann in einen Pot, wenn auch aussichtsreiche Gewinnchancen bestehen (+ EV). Ein kleiner Schmierzettel und ein Bleistift von IKEA waren die Lösung meines Problems! Ich notierte auf dem Zettel folgendes Wort: „DISZIPLIN“. Eine Charaktereigenschaft bzw. Tugend, die nicht nur beim Poker Gold wert ist. Ich platzierte den Zettel mit der Aufschrift „DISZIPLIN“ in der rechten oberen Ecke meines Bildschirms. Sobald die Varianz mir einen Strich durch die Rechnung machte und ich Notiz davon nahm, möglicherweise „heiß zu laufen“, schaute ich auf den Zettel und rief mir immer wieder das beste Heilmittel gegen Tilt vor Augen: DISZIPLIN! Und Schwups: Ich hatte deutlich mehr Erfolg und entfernte mich von einer bis dahin viel zu eindimensionalen Sichtweise. Heute habe ich keinen Zettel mehr, ich musste ihn abnehmen. Aber auch nur deshalb, weil ich mittlerweile nur noch Multi-Table spiele und der Zettel mir die Sicht versperren würde! Wenn ihr euch also das nächste Mal in einer ähnlichen Situation befindet, dann denkt an meine oder Scotty Nguyen´s Worte: „That´s poker, baby“! Die Varianz wird nicht immer auf eurer Seite sein, aber auch nicht auf der eurer Gegner. Deshalb heißt sie ja auch „Varianz“! Wichtig ist nur immer, dass man ausschließlich bei positivem Erwartungswert in den Pot investiert. Wer das tut, der wird langfristig Gewinne erzielen. Wer hingegen Emotionen ins Spiel kommen lässt, wird es sehr schwer haben. In diesem Sinne: Immer locker bleiben…

So long,

shehata

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