Eins steht fest: Dominik Nitsche ist in diesem Jahr zu einem der besten und erfolgreichsten deutschen Spielern im Pokerzirkus geworden. Er spielt bei fast allen großen Events jeglicher Turnierserien mit und konnte dieses Jahr als einziger Deutscher ein Bracelet bei der World Series of Poker in Las Vegas abstauben. Er erhielt für den ersten Platz mehr als 650.000 US-Dollar.
Zuvor konnte er 2009 nicht nur den zweiten Platz beim HighRoller Event der World Poker Tour Marrakesch belegen, sondern auch die LAPT in Mar del Plata gewinnen. Insgesamt belaufen sich seine Turniergewinne auf knapp 2.000.000 US-Dollar.
Während der Partouche Poker Tour erklärte sich Dominik bereit für uns ein paar Fragen zu beantworten. An dieser Stelle bedanken wir uns dafür und wünschen dem symathischen Spieler aus Minden weiterhin viel Erfolg bei seiner vielversprechenden Karriere!
Hier das Interview:
Poker.de:
Du kommst gerade frisch von der Partouche Poker Tour – leider hat es nicht für eine der guten Platzierungen gereicht – schade! Kannst du unseren Lesern dennoch schildern, wie das Turnier für dich lief und was du über den Prizepool-Skandal denkst?
Dominik Nitsche:
“Das Turnier verlief für mich natürlich schlechter als erwartet. Wie die meisten wahrscheinlich wissen, bin ich ende des zweiten Tages rausgeflogen. Es verlief eigentlich komplett ereignislos und ich war in keinen großen Pötten involviert. So sind Turniere halt manchmal. Ich saß wohl an den beiden schwersten Tischen im ganzen Raum – dort ist es schwierig ohne Karten Chips zu gewinnen. Um in einem Turnier weit zu kommen, braucht man eben Glück. Ob das jetzt Coinflips, AA gegen KK, Set over Set oder maximales Payout mit einem Flush sind ist im Prinzip egal.
Auf Grund der super Blindstruktur konnte ich jedoch fast 2 Tage überleben, ohne dass ich in große Pots involviert war. Leider ging dann der erste Coinflip gegen Phillip Gruissem verloren.
Zum Skandal ist denke ich bereits alles geschrieben und gesagt worden.
Ich freue mich wirklich sehr für alle Spieler, die im Geld gelandet sind und dass Partouche am Ende doch die 5 Millionen ausgezahlt hat.”
Poker.de:
2012 ist ein mehr als erfolgreiches Jahr in deiner Pokerkarriere. Du hast den Spielertraum wahr gemacht und ein Bracelet bei der WSOP gewonnen. Glückwunsch dazu! Die Frage: wann war der Zeitpunkt, bei dem du dir dachtest “Ich kann mit den Großen mithalten!”. Gab es ein Schlüsselerlebnis in deiner bevor du die großen Events mitgespielt hast?
Dominik Nitsche:
“Danke erstmal. Ich denke der Moment war, als ich im April 2009 bei der LAPT Argentinien nach Tag 1 Zehnter in Chips war. Ich hatte durch meine Erfolge im Internet bereits vorher schon großes Selbstvertrauen und wusste was ich konnte. Dennoch hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt keinen ersten Tag eines Liveturniers überlebt. Das sollte sich dann in Argentinien ändern, als ich am gleichen Tag Andre Akari und Joe Hachem eliminierte. Live-Poker ist eben doch nicht wirklich anders als Online-Poker.
”
Poker.de:
Als Pokerspieler im Turnierzirkus muss man zwangsläufig viel Reisen – das kostet natürlich Zeit. Poker wird dadurch zu einem Full-Time-Job. Gibt es Dinge, die du durch deine Pokerlaufbahn vernachlässigst bzw. wie schaffst du es Poker, Freunde und Familie unter einen Hut zu bringen?
Dominik Nitsche:
“Eine gute Frage, auf die ich leider selbst keine Antwort weiß. Momentan steht Poker bei mir an erster Stelle. Einfach weil ich unbedingt meinen dritten Titel gewinnen möchte. Außerdem wohne ich jetzt in London, sodass es für mich noch schwieriger ist Zeit mit meiner Familie und alten Freunden zu verbringen. Das Ganze ist natürlich etwas schade, aber leider unvermeidbar. Meine Familie und Freunde haben jedoch großes Verständnis dafür, dass ich momentan quasi pausenlos unterwegs bin und unterstützen mich dabei.”
Poker.de:
Wie sieht das restliche Pokerjahr 2012 für Dominik Nitsche aus?
Dominik Nitsche:
“Stressig natürlich. Ich bin gerade in Paris angekommen und werde Tag 1a spielen. Danach geht es wahrscheinlich zur WPT in Malta. Von dort geht es direkt weiter nach Cannes zur WSOPE und dann zur EPT in San Remo.
Danach weiß ich noch nicht was ich machen werde. Die WPT in Wien wäre eine Option. Momentan überlege ich, ob ich nach Macau zur Asian championship of Poker fliegen soll, oder nach Lima zum Grandfinal der LAPT.
Sollte ich mich für Macau entscheiden, würde ich wohl vorher ein bis zwei Wochen in Japan verbringen. Im Januar war ich für einige Tage in Hong Kong und es hat mir super gefallen. Ich würde gerne mehr von Asien sehen!
Sollte ich nach Lima fliegen, würde ich wahrscheinlich direkt im Anschluss nach Montreal zur WPT fliegen. Sowohl in Lima, als auch in Montreal werden einige gute Freunde von mir sein…Keine einfache Entscheidung!
Mein Endprogramm für das Jahr steht hingegen schon fest:
WPT Mazagan – WPT Prag – EPT Prag. Mazagan ist ein perfekter Urlaubsort und die zwei Wochen Pokeraction in Prag zum Jahresende würde ich mir sowieso niemals entgehen lassen.”
Poker.de:
Hast du einen Rat für Fans, die mit dem Gedanken spielen Poker professionell anzugehen? Was muss man beachten? Kann man sich online überhaupt noch als Anfänger durch die Limits schlagen oder ist die Konkurrenz zu gut geworden?
Dominik Nitsche:
“Möglich ist es natürlich immer. Dennoch muss man heutzutage einfach deutlich mehr Zeit aufbringen um Winningplayer zu werden. Bevor man Pro wird, sollte man sich auch genau fragen:
Was für Varianten und Limits möchte ich spielen? Live oder Online? Hab ich genug Geld als Rücklagen? Kann ich mit Verlusten umgehen?
Auch muss man bereit sein sich ständig weiter zu entwickeln – Poker wird nicht einfacher. In der heutigen Zeit gibt es schon deutlich weniger gute NLHE Cash Games als PLO Cash Games. Das liegt einfach daran, dass dieses actionreiche Spiel von den Zockern bevorzugt wird.
Von daher kann ich jedem Pro, oder jedem der überlegt Pro zu werden, nur empfehlen sich mit Omaha zu beschäftigen, da es in Zukunft deutlich profitabler als NLHE sein wird.”







Was ist mit dem Omahasieger aus Deutschland?Jan Peter Jachtmann!