Es hatte das Zeug zur “unendlichen Geschichte”: was passiert mit Full Tilt Poker? Wer übernimmt den ehemaligen Poker-Giganten? Wann und wie kommen die Full Tilt Kunden an ihr Geld? Doch seit gestern ist das letzte Kapitel sogar mit einem Happy End abgeschlossen. Wie wir gestern berichteten, kauft PokerStars Full Tilt Poker für eine Summe von 700 Millionen US-Dollar und wird innerhalb der nächsten 90 Tage alle nicht-US Spieler auszahlen. Ebenfalls innerhalb der 90 Tage will PokerStars Full Tilt als eigenständige Seite wieder an den Start bringen. Allerdings nicht in Frankreich, Italien, Spanien, Dänemark, Belgien und Estland. In diesen Ländern können die Kunden dann nur auf PokerStars spielen. Es sollen sogar Account-Transfers zwischen Full Tilt Poker und PokerStars möglich sein. Insgesamt zahlt PokerStars 547 Millionen US-Dollar an das DOJ. Dafür werden alle Klagen gegen Full Tilt und PokerStars aufgehoben.
Wie kommen US-Kunden an ihr Geld?
Doch was ist mit dem US Kunden? Die werden extra ausbezahlt. Sie müssen einen Antrag an das U.S. Department of Justice stellen, um ihre Gelder wiederzubekommen. PokerStars zahlt insgesamt 547 Millionen US-Dollar an das DOJ in drei jährlichen Raten. Ein Teil von diesem Geld – wohl etwa 160 Mio Dollar – steht alleine für die US-Kunden bereit. Sie sollen wohl ihr ganzes Geld zurückbekommen. Für die Spieler in Frankreich, Italien, Spanien, Dänemark, Belgien und Estland wird auch an einer Lösung gearbeitet, damit sie auch ihre Gelder zurückbekommen.
Isai Scheinberg muss zurücktreten!
Der Deal zwischen PokerStars und dem DoJ hat keine Auswirkung auf die elf im Rahmen des Black Friday Angeklagten. Dazu gehört auch der PokerStars Gründer Isai Scheinberg, der als Part des Deals innerhalb von 45 Tagen von allen verantwortlichen Posten bei PokerStars zurücktreten muss und auch in Zukunft keine neuen Ämter weder bei PokerStars noch bei Full Tilt Poker übernehmen darf. Zudem darf PokerStars niemanden einstellen, der wegen seiner Tätigkeiten bei Full Tilt gerichtliche Konsequenzen fürchten muss, also vor allem nicht: Ray Bitar, Howard Lederer, Rafael Furst, Chris Ferguson oder Nelson Burtnick.
Um für eine Rückkehr auf den US-Markt vorbereitet zu sein, haben weder PokerStars noch Full Tilt Poker irgendwelche Fehler zugegeben. Beide können somit in den USA wieder Echtgeld-Poker anbieten, sobald einzelne Staaten oder die Bundesregierung dies erlauben. Full Tilt Poker soll Ende Oktober mit Lizenzen der Isle of Man und in Malta wieder online gehen. Wie bei PokerStars soll es in einigen europäischen Ländern eine extra FullTiltPoker.eu-Seite geben, die aber den gleichen Spielerpool wie die .com-Seite hat.
Nelson Burtnick verhaftet – auf Kaution wieder frei
Zur gleichen Zeit als PokerStars den Deal bekannt gab, kam der im Zuge des Black Friday angeklagte Ex-Full-Tilt-Mitarbeiter Nelson Burtnick mit dem Flieger in New York an. Sofort nach seiner Ankunft wurde er von den Behörden festgenommen. Am späten Nachmittag wurde er dann gegen eine Kaution in Höhe von 500.000 Dollar wieder freigelassen. Nelson Burtnick ist Kanadier und arbeitete bis zum Black Friday für Full Tilt Poker. Er soll zuerst bei PokerStars und dann ab Januar 2009 bei Full Tilt für die illegalen Zahlungsabwicklungen zuständig gewesen sein. Burtnick ist wegen Bankbetrug und Geldwäsche angeklagt.


