Gestern vor einem Jahr passierte ein für die Online Poker Szene vor allem in den USA einschneidendes Erlebnis: das US-Department of Justice (DoJ) sperrte die Anbieter PokerStars, FullTilt Poker und die CEREUS Network Räume Absolute Poker und UB.com in den USA. Zudem klagte das DoJ im Zusammenhang mit dem Illegal Gambling Business Act von 1955 und dem Unlawful Internet Gambling Enforcement Act von 2006 11 Personen an: Isai Scheinberg und Paul Tate von PokerStars; von FullTilt Poker Raymond Bitar and Nelson Burtnick; Scott Tom und Brent Beckley von Absolute Poker; sowie Chad Elie, John Campos, Bradley Franzen und Ryan Lang, die mit den Poker Anbietern bei den Finanzabwicklungen zusammen arbeiteten. Zeit, noch mal zurückzublicken und den Stand ein Jahr später zusammenzufassen.
Die Hauptopfer
Die Hauptopfer des Online Poker Black Friday, waren in erster Linie nicht die Anbieter und ihre Mitarbeiter. Sondern die Kunden. Die drei Anbieter machten mehr als 70 % des Online Poker Markts in den USA aus. Durchschnittlich spielten dort etwa 55.000 Real Money Players pro Stunde. Der einzige Anbieter, der seine Kunden ausbezahlten konnte, war PokerStars. Full Tilt Poker schuldet seinen ehemaligen Kunden noch etwa $ 300 Millionen und Absolute Poker/UB den ehemaligen Spielern noch $ 60 Millionen.
Die Angeklagten
Von den elf Angeklagten haben sich Isai Scheinberg und Paul Tate von PokerStars, Ray Bitar und Nelson Burtnick von FullTilt Poker und Scott Tom von Absolute Poker noch nicht zu der Anklage geäußert. Auch die drei angeklagten Poker Pros Howard Lederer, Chris “Jesus” Ferguson und Rafe Furst haben sich noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die anderen sechs haben sich inzwischen schuldig bekannt. Darunter der Payment Processor Bradley Franzen, der Absolute Poker Miteigentümer Brent Beckley, Payment Processor Ira Rubin, Ryan Lang, sowie John Campos und Chad Elie. Alle haben im Zuge der Schuldbekenntnis auch Deals mit der Staatsanwaltschaft aushandeln können, die ihnen ein milderes Strafmaß einbringen. Laut dem Magazin Forbes will sich die Regierung nun auch mit den anderen Angeklagten befassen. Kronzeuge ist Daniel Tzvetkoff, der mit seinem Unternehmen Zahlungen für die großen Online Anbieter – allen voran PokerStars, Full Tilt und Absolute Poker – abwickelte.
Die Auswirkungen auf Live-Poker
Obwohl die Teilnehmerzahl des wichtigsten Poker-Turnieres, der World Series of Poker im Vergleich zu 2011 um 4 % angestiegen war, 72.966 Spieler 2010 zu 75.672 Teilnehmer 2011, litten andere Live-Poker-Formate unter dem Black Friday. Bei 2.465 Low Buy-in Turnieren (500 $ oder weniger) seit dem Black Friday in der Card Player Datenbank, ging die Teilnehmerzahl um fast 8 % zurück. Auch die High Roller Formate wie der PokerStars Caribbean Adventure $ 100.000 Super High Roller Event, der Aussie Millions $ 100.000 High Roller und der Aussie Millions $ 250.000 Super High Roller Event sowie zwei $ 100.000 Buy-in Events im Bellagio mussten Teilnehmereinbußen von 20 bis 30 % ausbaden. Den größten Effekt spürten zwei Poker-Serien: PokerStars musste seine North American Poker Tour einstellen, und FullTilt Poker seinen Onyx Cup.
Hier ein paar Beispiele von Teilnehmerzahlen nach dem Black Friday:
WPT Championship: + 13%
World Series of Poker: + 4%
WSOP Main Event: -6%
Aussie Millions Main Event: -9%
EPT London: -18%
WPT L.A. Poker Classic: -19%
WSOP Circuit Atlantic City: -25%
PokerStars Caribbean Adventure: -31%
Eine neue Entwicklung, die auch auf den Black Friday zurückzuführen ist, fand man bei vielen Live-Serien: die Re-Entry Möglichkeit. Die Re-Entry Möglichkeit sprach Spieler aller Bankrolls an, und war eine Möglichkeit die Preispools zu vergrößern.
Die aktuelle Gesetzeslage in den USA
Seit dem Black Friday haben sich die Gesetze in den USA nicht geändert. Doch das DoJ hatte den Illegal Gambling Business Act neu interpretiert und angedeutet, dass er nicht für Online Poker gelte. Was das für Auswirkungen hat ist noch nicht klar. Die Staaten gehen ihre eigenen, teilweise grundsätzlich verschiedenen Wege. Während Nevada kurz davor ist Online Poker zu erlauben und schon Bewerbungen für Lizenzen entgegengenommen hat, gibt es Staaten wie Utah, die sogar ein neues Gesetz verabschiedet haben, welches es seinen Bürgern explizit verbietet Online Poker jeglicher Art zu spielen.
Die Anbieter
PokerStars hat den Black Friday relativ unbeschadet überstanden. Im Fokus stand die Kooperation mit dem DoJ, um außerhalb der USA weiteragieren und vor allem die Spieler auszahlen zu können. Im Gegensatz zu Full Tilt waren bei PokerStars die Spielerkonten von den Geschäftskonten getrennt. Weltweit ist und bleibt PokerStars auch ohne die US-Kunden die Nummer 1.
FullTilt Poker existiert seitdem eigentlich nur noch in den Schlagzeilen und Medien. Das Poker-Angebot wurde kurz darauf weltweit eingstellt. Es wurde bekannt, dass Spielergelder veruntreut wurden und danach entzog die AGCC FullTilt die Lizenz. Seit mehreren Monaten gibt es einen Kauf-Interessenten für FullTilt – die Groupe Bernard Tapie. Doch diese Übernahme zieht sich schon ewig hin. Wann und ob endgültiger Verzug gemeldet werden kann, ist nicht klar. Ebenso wann die Spieler ihr Geld bekommen und ob FullTilt jemals wieder Online-Poker anbieten wird.
Absolute Poker und Ultimate Bet waren nahezu ausschließlich auf dem US-Markt aktiv. Seitdem Black Friday ist der Traffic der beiden Anbieter um 99,8 % zurückgegangen und inzwischen eigentlich nicht mehr existent. Auch hier ist unklar wann und ob die Spieler je ihre Gelder zurückbekommen werden.




Follow Poker.de