Wie jeden Woche finden Sie hier die Highlights der Pokerwoche – zusammengefasst von de.PokerNews.com: In der Zusammenfassung der Woche vom 22.4 bis zum 29.4 dreht sich alles um den Online Poker Black Friday.
Am Black Friday stellt das FBI PokerStars, Full Tilt Poker und Absolute Poker unter Anklage
Das US-Justizministerium hat am Freitag, den 15. April 2011 die Online Poker Giganten PokerStars, Full Tilt Poker und Absolute Poker wegen Geldwäsche, illegalem Glücksspiel und Bankbetrug angeklagt. Im Zuge des massiven Angriffs auf die drei Großen der Branche ließ das Ministerium die Webseiten sperren und verhaftete führende Manager. Gegen weitere Repräsentanten der betroffenen Online Poker Anbieter wurden Haftbefehle erlassen und über 75 Bankkonten gesperrt.
Die Anklage basiert u.a. auf dem UIGEA, der Online Poker in den USA für illegal erklärt hatte. Nachdem sich z.B.: PartyPoker nach Inkrafttreten des UIGEA aus den USA zurückgezogen hatte, waren PokerStars und Full Tilt weiterhin aktiv. Dies wurde Ihnen nun zum Verhängnis. Lediglich 2, der insgesamt 11 Verdächtigen wurden bisher verhaftet, die US-Behörden arbeiten nach eigenen Angaben mit den internationalen Behörden, wie Interpol, zusammen um auch der restlichen Manager habhaft zu werden.
Führende US-Politiker haben in ersten Stellungnahmen die Vorgehensweise kritisiert und fordern nun einen rasche Legalisierung und Regulierung von Online Poker in den USA um Sicherheit für Spieler und Anbieter gewährleisten zu können. Die australische Zeitung Courier Mail berichtet, dass nach Ansicht der Pokerbranche, der vor einem Jahr verhaftete Daniel Tzvetkoff mit den Behörden zusammenarbeitet. Tzvetkoff kommt aus der Branche und kennt als Insider die Zahlungsströme der Gambling Branche ganz genau. Das würde auch erklären warum sich auf der Verdächtigen Liste des FBI weitere Finanzspezialisten befinden.
Online Poker in den USA vor einem riesigen Scherbenhaufen
Nachdem sich die ersten Nebel gelichtet haben, steht fest, dass Online Poker in den USA vor einem riesigen Scherbenhaufen steht. Die Wynn Hotels haben scheinbar ihre Allianz mit PokerStars aufgekündigt, Fertitta Interactive distanziert sich ebenso von der Kooperation mit Full Tilt Poker. Full Tilt hat mittlerweile ebenso wie PokerStars Real Money Games in den USA aus dem Programm genommen, aber gleichzeitig betont, dass Online Poker außerhalb der USA selbstverständlich weiterhin angeboten wird. PokerStars hat nach einigen Schreckstunden ebenfalls, direkt im eigenen Pokerclient Stellung genommen. Dabei verweist der Online Poker Gigant darauf, dass die Gelder Ihrer Kunden bei PokerStars sicher sind. Für alle Kunden außerhalb der USA gilt weiterhin “Business as usual”. Die PokerStars Webseite ist nun unter www.pokerstars.eu erreichbar, der Kundensupport unter support@pokerstars.eu.
Full Tilt Poker CEO Raymond Bitar ist sich sicher, dass jeder das Recht habe, online Poker zu spielen und das Online Poker legal sei. Full Tilt Poker habe sich immer an alle Gesetze gehalten.“Ich bin überrascht und enttäuscht von dieser Entscheidung. Ich freue mich aber auf unsere Rehabiliterung”, so Bitar. Full Tilt Poker musste ihr “Echtgeld Spiel” auf der Online Poker Plattform für die amerikanischen Spieler sperren, bis der Fall gelöst ist. Jedoch gibt Full Tilt Poker an, weiterhin peer-to-peer Online Poker Services ausserhalb der USA anzubieten. PokerNews hat von einem Sprecher von Full Tilt Poker erfahren, daß die Onyx Cup Series abgesagt wurde.
Die Ratten verlassen das sinkende Schiff?
Auch PokerStars hat ein offizielles Statement abgegeben: “Wie bereits viele gehört haben, mussten wir unsere Echtgeld Services in den USA einstellen. Sie können sicher sein, daß alle Spieler Konten sicher sind. Für alle User ausserhalb der USA geht alles seinen geregelten Gang.” “Die PokerStars Website wurde auf www.pokerstars.eu transferiert und unsere Support Email lautet nun support@pokerstars.eu. Wir entschuldigen uns bei unseren Spielern für all diese Umstände. Da wir im Moment sehr viele Emails bekommen, kann eine Antwort es etwas dauern. Wir werden alle Emails so schnell als möglich beantworten. Danke für Ihr Verständnis.” “Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.” So ähnlich würde wohl ein Zyniker auf die Auswirkungen der FBI Anklage gegen PokerStars, Full Tilt Poker und Absolute Poker reagieren.
Nachdem bereits die Wynn Hotels und Fertitta Interactive ihre Allianzen mit PokerStars und Full Tilt Poker aufgekündigt haben, hat nun der amerikanische Sportsender ESPN sämtliche PokerStars Werbungen von seiner Webseite entfernt. ESPN besitzt die Live Übertragungsrechte der WSOP, man darf gespannt sein, welche Auswirkungen der Schlag gegen die Online Poker Giganten auf die WSOP haben wird.
“Millionen von Amerikanern sind geschockt über den Angriff”
PokerNews hat Moneybookers um eine Stellungnahme gebeten und folgende Antwort erhalten: “Moneybookers ist nicht Bestandteil der Untersuchungen, wir wurden von den Behörden nicht kontaktiert. Es gehört zu unseren Geschäftsprinzipien keine finanziellen Transaktionen im Online Gamling durchzuführen, und damit auch nicht beim Online Poker von US-Staatsbürgern.”
Auch John Pappas, Verantwortlicher der Poker Players Alliance, hat zu den Vorgängen Stellung genommen: “Millionen von Amerikanern sind geschockt über den Angriff des US-Justizministeriums auf Online Poker. Das ist eine Kriegserklärung gegen die Pokerspieler und ihre persönliche Freiheit. Nicht nur dass plötzlich 10 Millionen Online Poker Spieler keine Möglichkeit mehr haben ihr Spiel zu spielen, sie müssen sich auch noch Sorgen um ihre Guthaben machen. Lassen Sie mich eines klar sagen: Online Poker ist kein Verbrechen.”
Turnierdirektor und Poker Experte Thomas Lamatsch nahm in einem PokerNews Interview zu den Entwicklungen Stellung
„Einen Umbruch in dem Sinne wird es nicht sofort geben, erst wenn die USA die Lizenzen vergibt. Klar haben nun Pokerstars und FullTilt ihren Marktvorsprung verloren, aber z.B. Pokerstars war auch in Europa führend und wird dies auch bleiben. Sicherlich gibt es jetzt viele Panik Cashouts, aber diese werden verkraftet werden. Der Markt wird sich zusammen schieben, die Turniergarantien wurden bereits herab gesetzt, eine ähnliche Entwicklung wie bei PartyPoker damals, aber ich denke, dass es nicht dieselben Auswirkungen haben wird, denn dazu ist der Markt in Europa schon zu groß geworden. Interessant ist sicher der neue Onlineriese bwin.party, die haben ja mit Blickrichtung USA fusioniert, aber die Frage bleibt wie groß der Fokus auf Poker sein wird.“
Schwarzer Freitag in der Geschichte des Online Poker
Der 15. April geht als schwarzer Freitag in die Geschichte des Online Poker ein. Nach der Anklageerhebung gegen PokerStars, Full Tilt Poker und Absolute Poker lichten sich langsam die Nebel und die Auswirkungen werden sichtbar. PokerStars und Full Tilt hatten nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Zugänge für US-Bürger gesperrt. Absolute Poker erlaubt US-Bürgern nach wie vor die Teilnahme an Poker, doch neue Registrierungen werden nicht mehr akzeptiert. Ein- und Auszahlungen sind für US-Bürger ebenfalls gesperrt.
Drastische Maßnahmen im Traffic der Seiten sichtbar
Nun werden die Auswirkungen der drastischen Maßnahmen auch im Traffic der Seiten sichtbar. Der weltweite Online Poker Markt schrumpfte in nur wenigen Tagen um fast ein Viertel. PokerStars, Full Tilt Poker und Absolute Poker gehören, wie erwartet, zu den großen Verlierern. Pokerscout.com veröffentlichte folgende Zahlen:
PokerStars: – 25 %
Full Tilt Poker: – 48 %
Absolute Poker: – 39 %
Jene Online Poker Räume, die ihre Dienste nach wie vor in den USA anbieten, aber der strengen Hand des Gesetzes bisher entwischt sind gehören zu den Gewinnern:
Bodog Poker: + 26 %
Merge Game Nework (Lock Poker, Carbon Poker, u.a.): + 23 %
Cake Poker: + 19 %
Auch der Online Poker Riese PartyPoker gehört zu den Gewinnern: + 9 %
Vor allem Full Tilt Poker hat es bisher brutal erwischt. Hält dieser Trend an, werden sich die Machtverhältnisse bei den großen Anbietern verschieben. Es wird interessant sein zu sehen, ob die FBI Aktion auch gegen kleinere Anbieter fortgesetzt wird, oder ob diese weiterhin im US-Markt agieren können.
Auch gute Nachrichten
Es gibt auch noch gute Nachrichten. Full Tilt Poker und PokerStars haben mit den Behörden in den USA eine Vereinbarung getroffen, die es ihnen erlaubt, ihre .com Domains wieder zu verwenden. Sowohl PokerStars als auch Full Tilt Poker und Absolute Poker haben die Vorwürfe des FBI strikt zurückgewiesen und angekündigt alle rechtlichen Mittel ausschöpfen zu wollen, um ihre Unschuld zu beweisen. Alle drei Pokerräume arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung um den betroffenen US-Spielern ihre Guthaben zurückzuerstatten.
Marc Gork sieht das alles ein wenig gelassener, er befürchtet keine Auswirkungen auf Deutschland
„Alles Quatsch. Presse, Medien, bla. Abwarten heißt die Devise. Immer dieselben zusammenhangslosen Fragen: Muss der Trainer gehen? Ist sie wirklich schwanger? Alles Mist. Nur weil in Amerika irgendwelche übermotivierten Geheimagenten ein paar Pokerspielern auf die Finger hauen, muss noch lange nicht am anderen Ende der Welt die Uhr umgestellt werden. Der Zusammenhang ist völlig haltlos und ich sehe keinerlei Gefahr, dass in Schleswig-Holstein oder auch irgendwo in Deutschland diese Aktion in nächster Zeit irgendwelche Folgen nach sich zieht. Erst wenn ein Urteil und irgendeine feste Gesetzgebung im Raum steht, die in den USA alle Schalter umlegt, erst dann sollte man sich Sorgen machen, ob uns hier in Deutschland nicht Ähnliches drohen könnte.“
De.PokerNews.com bringt Ihnen auf Poker.de auch wieder nächsten Freitag die Highlights der Pokerwoche.


