Abwechslung gefällig? Omaha und Co

Auch wenn die Medien es uns weiß machen wollen – die große bunte Pokerwelt besteht nicht nur aus Texas Hold’em. Wer bei Zeiten die Nase voll hat von Texas Hold’em (sei es Limit oder No Limit) oder einfach seine Ausbildung als Pokerspieler erweitern möchte, sollte sich mal bei den anderen Varianten umschauen. Unter Umständen kann dadurch sogar wieder die verlorene Lust am Spiel selbst wiedergefunden werden. Im folgenden Artikel möchten wir euch einen kleinen Einblick in die anderen faszinierenden Varianten des Pokerns gewähren:

Omaha:

Genau wie Texas Hold’em gehören auch die Omaha Varianten zu den Hold’em Games. Sprich jeder Spieler erhält seine eigenen Holecards und es gibt ein Board mit Community Cards. Omaha war vor dem großen Pokerboom 2003 das meist gespielte Pokerspiel in den Casinos von Europa. Doch vor allem im letzten Jahr etablierte sich die Variante auch in den Online Pokerräumen. Dies lag sicherlich zum großen Teil an den hohen Highstakes Partien, die sehr oft in Omaha ausgetragen wurden. Unterschieden wird in zwei große Omaha-Games:

Pot Limit Omaha:

Das “Action”-Game schlechthin. Keine andere Variante birgt bei großen Pots so eine Varianz wie Pot-Limit Omaha. Wie der Name bereits verrät, handelt es sich um kein No-Limit, sondern um ein Pot-Limit spiel. Dies bedeutet, dass die maximalen Einsätze immer durch die Potgröße bestimmt werden. Im Gegensatz No-Limit darf man nie mehr setzen, als bereits im Pot ist.

Die Regeln sind ähnlich simpel wie beim NL Texas Hold’em. Es gibt genau wie bei unserem “Standard”Spiel fünf Community Cards. Der Clue jedoch ist, dass jeder Spieler zu Beginn vier Holecards erhält und immer exakt zwei der Holecards und drei der Communitycards verwenden muss. Durch die erhöhte Anzahl der Kombinationen von Hole- und Communitycards erhöht sich natürlich das Aufkommen sehr starker Hände. Das macht Pot-Limit Omaha so interessant, da es fast in jeder gespielten Hand zu großen Pots kommt, da die Spieler vergleichsweise starke Hände haben. Strategisch gesehen ist Omaha sehr kompliziert und nur mit voller Konzentration gut schlagbar. Jedoch ist es mit einer tighten Spielweise vor allem auf den Microstakes ein reines Fischbecken, da die Spieler meistens vom NL Texas Hold’em kommen und ihre Handstärken nicht richtig einschätzen können. Während ein Top Paar beim Texas Hold’em eine durchaus passable Hand ist, gewinnt man mit ihr beim PLO keinen Pfennig. Ein Spiel der Nuts und für Freunde großer Pötte genau das Richtige!

Omaha Eight or better:

Diese Variante wird auch Omaha Hi-Low genannt und ist im Gegensatz zum PLO ein Fixed Limit Spiel. Das bedeutet, dass die Einsätze von Anfang an festgelegt sind im gesamten Verlauf einer Hand nie mehr gesetzt werden kann, als das Limit es festlegt. Auch hier werden vier Hole- und fünf Communitycards gestellt. Wieder muss man zwei der Hole- und drei der Communitycards verwenden. Der größte Unterschied liegt jedoch bei den Handstärken. Hier zählen nicht nur die High-Hände, sprich Straights, Flushes usw. sondern auch die Lowhände. Das heißt niedrige ungepaarte Karten können hier genauso gewinnen, wie ein Full House. Dadurch dass öfters ein Spieler im Pot eine qualifizierende LowHand hält und ein anderer eine HighHand, wird der Pot am Ende der Hand geteilt. Ein Spiel, dass vor allem als Anfänger in LowVarianten für Probleme sorgen kann, da man eine mögliche LowHand übersieht und den Pot am Ende aufgibt, obwohl einem die Hälfte gehört (passiert online natürlich nicht, da die Software die Hände immer erkennt). Obwohl auch hier viele starke Hände aufeinander treten, werde die Pots durch die festgesetzte Bietgröße nicht so groß, wie beim PLO.

Stud Poker:

Wenn man eine Variante den Amerikanern zusprechen müsste, dann Stud Poker. Seit Jahrzehnten das beliebteste Pokerspiel in Casinos und Heimrunden. Durch den Boom von NL Hold’em hat es jedoch viel seiner Popularität eingebüßt und gilt (unfairerweise) als Altherrenspiel. Dabei sind die Stud-Spiele die Pokervarianten mit dem größten Skill-Anteil. Das Glück spielt bei einem guten Stud-Spieler bei weitem nicht so eine große Rolle, wie bei den Hold’em Spielen. Dies macht die Stud-Varianten aber auch weniger anfängerfreundlich, da die Spiele erstens schwerer zu lernen und zweitens einfach ein wenig langsamer sind, als die actiongeladenen Hold’em Partien (alle Stud Poker Spiele werden immer in der Fixed Limit Variante gespielt). Bei den Stud-Games gibt es drei große Spiele, die wir uns im Folgenden ein wenig näher anschauen wollen:

Seven Card Stud:

Das Stud Spiel schlechthin und die wohl simpelste Variante unter den Stud Games. Wie bereits erwähnt, handelt es sich hier um ein Fixed Limit Spiel mit festgelegten Einsätzen. Im Gegensatz zu den Hold’em Spielen gibt es keine Blinds, sondern Antes, die vor jeder Runde, von jedem Spieler am Tisch gezahlt werden müssen. Das Spiel beginnt mit dem Austeilen von zwei HoleCards pro Spieler und einer dritten Karte (Doorcard), die offen und für alle sichtbar ausgeteilt wird. Der Spieler mit der niedrigsten Doorcard eröffnet die Setzrunde und muss zumindest einen Einsatz bringen (Bring-In). Haben beispielsweise zwei Spieler die gleiche niedrigste Karte, entscheidet die Farbe des Blattes. Die niedrigste Farbe ist das Kreuz (Club), danach kommt Karo (Diamond), gefolgt vom Herz (Heart) und die stärkste Farbe ist das Pik (Spade). Da es sich um eine Fixed Limit Variante handelt, darf insgesamt in einer Setzrunde auch nur drei Mal erhöht werden. Die finale Erhöhung nennt man Cap. Ist die erste Setzrunde vorbei wird jedem Spieler eine vierte offene Karte ausgeteilt (Fourth Street). Nun beginnt der Spieler mit der höchsten Kombination aus seinen zwei offenen Karten. Nach dieser Setzrunde kommt die fünfte offene Karte für jeden (Fifth Street). Wieder wird gesetzt. Die Sixth Street bedeutet die vierte offene Karte für jeden Spieler und eine erneute Setzrunde. In der letzten Wettrunde erhält nun jeder Spieler eine verdeckte Karte (Seventh Street oder River). Damit hat nun jeder Spieler, der sich noch in der Hand befindet drei verdeckte und vier offene Karten. Die letzte Setzrunde beginnt und am Ende gewinnt der Spieler, der die beste Kombination aus fünf seiner Karten bilden kann.

Wie man sieht, hat man durch die vielen offenen Karten einen erheblichen Informationsvorteil zum Hold’em. Ein guter Spieler muss lernen sich alle gespielten Karten zu merken. Auch die Karten, die gefoldet wurden, muss man sich einprägen, um eine bessere Einschätzung der gegnerischen Hand gewährleisten zu können.

Seven Card Stud Eight or better:

Diese Variante wird auch Seven Card Stud Hi-Low genannt. Man spielt nach den Regeln des normalen Studs mit dem einzigen Unterschied, dass sowohl High als auch Low Hände zählen. Diese Variante fügt dem Stud noch einen Grad an Komplexität hinzu und macht dieses Spiel zu einer wirklichen Herausforderung, was Gedächtnis, Spieltheorie und Psychologie angeht.

Razz:

Razz wird auch Seven Card Stud Lowball genannt. Die Regeln des Seven Card Stud werden zum Großteil beibehalten. Der Unterschied liegt darin, dass High-Hände nicht in die Wertung eingenommen werden. Ergo gewinnt die schlechteste Hand. Im Razz werden Flushes und Straight nicht gewertet, was A2345 zu den Immortal Nuts (unschlagbare Hand) macht. Auch wird das Bring-In nicht vom Spieler mit der niedrigsten, sondern mit der höchsten Karte gebracht. Der König ist im Razz die höchste Karte, da das Ass als niedrigste gewertet wird.

Nun haben wir euch einen kleinen Einblick über den Tellerrand von Texas Hold’em gegeben. Alle Varianten sollten zumindest einmal von euch ausprobiert werden, da sie gerade in Homegames für Abwechslung sorgen und unheimlich Spaß machen können. Auch die großen Online Pokerräume bieten diese Varianten in den unterschiedlichsten Limits an. Und immer daran denken: wer ein wirklich großer Pokerspieler werden will, sollte nicht nur eine Variante meistern, sondern alle Spiele gut beherrschen können.

Kommentieren

*


9 + = 11

Spam Protection by WP-SpamFree Plugin