Pro:
Die Short-Stack-Strategy ist sehr einfach zu verstehen und damit besonders für Anfänger ideal geeignet. Allerdings können auch erfahrene Poker-Spieler mit Hilfe der Short-Stack-Strategy auf den Micro- / Low-Limits grinden, um die eigene Bankroll aufzubauen („bankroll-building“) oder einen Bonus freizuspielen („bonus-clearing“). Auch das Spiel an mehreren Tischen („multi-tabling“) ist mit der Short-Stack-Strategy problemlos möglich. Zudem spielt der Gesichtspunkt der eigenen Risikominimierung eine wichtige Rolle: Wer als SSS-Player mit einem Stack von nur 20 Big Blinds einen Fehler macht oder einen bad beat kassiert, der verliert grundsätzlich nicht viel Geld, weil er nicht in große Pötte involviert ist. Darüber hinaus können Full-Stack-Gegner, die die Nuts halten, ihre Überlegenheit nicht vollends ausspielen. Außerdem verhindert die Short-Stack-Strategy, dass man nach dem Flop („post flop“) schwierige Entscheidungen fällen muss.
Contra:
Viele erfahrene Poker-Spieler kritisieren, dass die Short-Stack-Strategy nur wenig mit echtem Poker zu tun hat. Ein großer Teil der SSS-Spieler wird unter dem Begriff des ABC-Pokers zusammengefasst. So wird angeführt, dass SSS-Player aufgrund ihrer mangelnden Variabilität leicht zu durchschauen sind. Auch werden SSS-Player, die die bestmögliche Hand halten, nie maximal ausbezahlt. Für manche Spieler ist es vielleicht auch langweilig, streng nach Chart und damit unter dem Strich nur sehr wenige Hände zu spielen. Viele Poker-Profis, allen voran Phil Ivey, vertreten sogar die Meinung, dass ein Anfänger möglichst viele Hände spielen sollte, um die verschiedensten Situationen im Poker zu durchleben. Auch haben bereits einige Online-Anbieter das Minimum-Buy-In an ihren NL-Tischen angehoben, wodurch die Short-Stack-Strategy nicht mehr anwendbar ist. Zwar bieten die meisten Anbieter dafür spezielle Short-Stack-Tische an, quasi als „Ersatz“, allerdings funktioniert die Short-Stack-Strategy auch an diesen Tischen nicht. Die Gründe liegen auf der Hand: Wie bereits bei den Grundregeln erwähnt, ist unabdingbare Voraussetzung, dass man mindestens sieben Gegner am Tisch hat, von denen nicht mehr als zwei Spieler ebenfalls die Short-Stack-Strategy anwenden. Hinzu kommt, dass das Maximum-Buy-In an den extra eingeführten Short-Stack-Tischen in der Regel bei 40 Big Blinds (BB) liegt, so dass die erforderlichen Big-Stack-Gegner fehlen.
Stellungnahme:
Die Short-Stack-Strategy, die eine kleine Bankroll erlaubt, ist besonders gut für Anfänger geeignet. Das Verlustrisiko ist sehr gering und schwere post-flop-Entscheidungen sind nicht zu treffen. Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass eigentlich der Umstieg auf die Big-Stack-Strategy (BSS) das primär verfolgte Ziel der Short-Stack-Strategy ist und der für einen guten Poker-Spieler unerlässliche Lernaufwand lediglich nach hinten verschoben wird. Auch ist die „push-or-fold-Spielweise“ eines SSS-Players nur wenig facettenreich. Die Short-Stack-Strategy kennt beispielsweise kein slow play. Insgesamt lässt sich also sagen, dass die Short-Stack-Strategy zwar durchaus ihre Vorteile hat. Allerdings steht auch außer Frage, dass man sich weiterentwickeln muss, sofern man in the long term erfolgreich Poker spielen will.