Beim Pokern treffen die unterschiedlichsten Spieler aufeinander und dennoch kann man sie nach einer kurzen Zeit sehr gut zu bestimmten Gruppen zuordnen. Genau wie im echten Leben auch ist diese Information natürlich nie vollständig und jeder Spieler wird sich vom anderen durch Kleinigkeiten unterscheiden – gewisse Tendenzen werden aber immer übereinstimmen. In folgendem Artikel wollen wir euch die prägnantesten Spielertypen vorstellen und im Anschluss einen kleinen Einblick in das Thema TableImage geben.
1) TAG (tight-aggressive)
Der Paradespieler beim soliden Poker. Der TAG verfolgt, wie der Name bereits impliziert, eine tighte Strategie mit selektiver Aggression. Seine Starthände werden positionell ausgewählt und das gesamte Spiel besitzt eine übergeordnete Strategie. Nichts wird aus dem Bauch heraus entschieden, sondern sinnvoll begründet und in die Tat umgesetzt. Als Anfänger sollte man versuchen sich ein Beispiel an diesen Spielern zu nehmen, da vor allem auf den kleinen Limits eine solide TAG-Strategie der beste Weg ist alle Spieler zu exploiten und eine gute Winrate zu erzielen. Sitzen viele TAGs an einem Tisch, sollte man sich von diesem fernhalten, da es hier meist kein Geld zu holen gibt, da einfach jeder eine solide Strategie verfolgt und man die Spieler nur selten austricksen beziehungsweise ausspielen kann.
2) LAG (loose-aggressive)
Loose-aggressive Player wirst man auf den MicroLimits nie finden und auch auf den Small Stakes machen sie sich rar. Ein LAG besticht durch extrem looses, aber aggressives PreFlop Spiel. Die Kunst eines loose-aggressiven Spielstils ist nur nach Perfektion des TAG Stils möglich und erfordert sehr viel Übung und Erfahrung. Durch die loose Spielweise PF befinden sich LAG PostFlop fast immer in marginalen Situationen und können durch exzellentes Handreading ihre Gegner an die Wand spielen. Die meisten Pots gewinnen sie nicht im Showdown, sondern dann, wenn sie ihre Gegner perfekt lesen und an die Wand spielen, sodass ihnen nichts anderes mehr übrig bleibt, als zu folden. LAGs gelten unter Pokerspielern als die Coolness-Elite. Ihr Spielstil ist kreativ, bedacht und doch auf eine gewisse Art und Weise rücksichtslos. Da es aber wie gesagt auf den kleinen Limits keine LAGs gibt, werdet ihr diese als Anfänger auch nie am Tisch sitzen haben.
3) Maniac
Der pseudo LAG unter den Pokerspielern. Gerade auf den MicroLimits halten sich viele Maniacs für LAGs, sind es jedoch nicht. Auch diese Spieler sind sowohl Pre- als auch PostFlop extrem loose und aggressiv, jedoch haben sie keinen richtigen GamePlan – im Endeffekt wissen sie nicht was sie tun und versuchen alles durch rohe Gewalt zu kompensieren. Die perfekte Art gegen diese Spieler zu gewinnen ist ihnen die Initiative zu überlassen, während man selbst eine gute Hand hält. Sie werden es nicht unterlassen können euch Bluffen zu wollen und werden so ihren Stack an euch durch ihre übertriebene Aggression verlieren. Einen Maniac sollte man nie versuchen zu bluffen, weil er euch immer zeigen will, dass er der “bessere” Spieler ist und euch durch spektakuläre Bluffraises oder marginale Calldowns vernichten will. Wartet also auf eine gute Hand und lasst euch durch seine BluffBets auszahlen.
4) CallingStation
Die CallingStation ist der am leichtesten zu spielende Gegner, den ihr am Tisch finden werdet. Dieser Spielertyp weiß wahrscheinlich nicht einmal, was das Wort Raise bedeutet. Es gibt eigentlich nur eine Option für diese Art von Spieler – der Call. Sei es ein Full House oder Bottom Pair – die CallingStation wird nie aggressiv, sondern überlässt immer den anderen Initiative und callt gnadenlos jede Bet bis zum River. Eine Hand ohne Showdown ist für diesen Spielertyp kaum vorstellbar. Gegen eine CallingStation habt ihr immer leichtes Spiel – bettet eure starken Hände und foldet eure schwachen Hände und schon ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Stack der CallingStation zu euch wandert.
5) Nit
Die Nit solltet ihr am Tisch einfach ignorieren und ihr bei Action ihrerseits einfach folden. Dieser Spieler wird niemals bluffen, er wird alle marginalen Hände folden und nur die absoluten Monster spielen. Dieser Spielertyp hat zwar Ahnung von einem soliden PreFlop Spiel, ist aber PostFlop grauenvoll und hat keinerlei Verständnis von Flop, Turn und River Play. Wenn er nicht gerade die Nuts geflopt hat, wird er meistens auf eine check-fold Line wechseln und euch den Pot überlassen. Auch PreFlop wird er nur seine sehr guten Hände verteidigen, weswegen man ihm hervorragend die Blinds klauen und ihn durch loose 3Bets bluffen kann.
6) Fish/Donkey
Der Fish oder auch Donkey ist die Lieblingsspeise aller Sharks. Dieser Spieler hat überhaupt keine Ahnung von Poker und spielt einfach jede Hand ohne einen Plan zu verfolgen, was er erreichen will. Er wird sich weder Gedanken darüber machen, welche Hand wir haben, noch einen Gedanken daran verschwenden, was wir von ihm denken. Wenn man Leuten das erste Mal Poker zeigt, kann man davon ausgehen, dass sie alle Fische bzw. Donkeys sind. PreFlop Erhöhungen werden bis auf den Tod gehasst, jeder Flop will gesehen werden und lustigerweise entwickeln Fische sehr schnell eine Liebe für FlushDraws, die dann auch immer und bis zum bitteren Ende gechased werden. Die perfekte Spielweise gegen Fische/Donkeys ist schlichtes und solides ValuePoker. Setzt eure guten Hände, kommt nicht einmal auf die Idee einen Bluff durchzuziehen und schon werdet ihr leichtes Spiel gegen diese Art von Spielern haben.
TableImage
Beim Beginn einer TableSession sind alle Spieler in der Regel Unbekannte. Keiner kennt sich und kann nicht einordnen, zu welcher Gattung die anderen Spieler gehören. Nach ein paar Orbits kann man dann erste Tendenzen feststellen. Interessant wird es, wenn man sein eigenes TableImage beinflusst. Normalerweise ist die profitabelste Strategie immer den entgegengesetzten Spielstil aller anderen zu spielen. Sind also am Tisch nur Fische sollte man versuchen ein solides TAG Spiel abzuliefern, befinden sich viele Nits am Tisch, sollte man einen loosen Spielstil pflegen. Sitzt man an einem Tisch mit kompetenten Spielern sollte man in den meisten Fällen (gerade als Anfänger) einfach den Tisch wechseln und sich eine Runde suchen, in der hauptsächlich schlechte Spieler sitzen. Will man jedoch die Herausforderung annehmen, sollte man darauf achten, niemals nur einen Stil zu spielen. Wenn man anfänglich loose ist und die Spieler das merken, sollte man auf eine tighte Spielweise wechseln, weil die Gegner euch immernoch für loose halten und euch somit leichter runtercallen werden. Der Kern ist immer undurchschaubar zu bleiben und sein Spiel immer wieder zu variieren, um den maximalen Profit aus jeder Situation ziehen zu können.