Oftmals wird das Pokerspiel als Metapher für das ganze Leben genommen. Da der Mensch jedoch nicht perfekt ist, wird auch kein Pokerspieler jemals fehlerfrei sein. In peccatum mortiferum – die 7 Totsünden im Poker betrachten wir die Wurzelsünden des Menschen und übertragen diese auf das Leben als Pokerspieler.
1) Stolz
Ego hat im Poker nichts verloren! Wir setzen uns nicht an den Tisch, um uns als Alphamännchen zu präsentieren, sondern um Profit zu erwirtschaften. Nur weil wir drei Mal hintereinander eine 3bet vom BU auf unser Openraise kassieren, heißt es nicht, dass wir gegen diesen Spieler in den Krieg ziehen müssen und “ihm zeigen, wo der Haken hängt”. Wählt eure Spots bedacht und vor allem unter Ausschluss jeglicher Emotion – Pokerspieler sind rational, also handelt auch rational!
2) Habsucht
Habsucht oder Geiz lässt sich im Pokerspiel vor allem auf Limitaufstiege übertragen. Wir spielen nicht auf den Microlimits um ein kleines Taschengeld zu verdienen, sondern um möglichst schnell eine solide Bankroll aufzubauen um aufzusteigen und auf den Small Stakes erwähnenswerte Summen aus dem Pokerpool zu ziehen. Seid also nicht zu geizig mit eurer Bankroll und nutzt die Möglichkeit zu shotten, wenn sie besteht.
3) Neid
Erfolgreiche Spieler posten dicke Graphen über sechsstellige Dollargewinne und ihr jammert über euren Downswing auf NL2? Hört sofort auf damit! Neid und Jammern bringt euch im Pokerspiel nicht weiter. Anstatt durch Foren zu geistern und astronomische Dollarkurven anzustarren, solltet ihr lieber diese Zeit in euer Spiel stecken und durch ein ausgewogenes Verhältnis von Theorie und Praxis selbst einen Schritt in Richtung Pokerhai zu machen.
4) Zorn
Zorn findet sich gerade in Tilt-Phasen wieder. Emotionen haben im Poker nichts verloren! Wenn wir uns mit der Absicht an den Tisch setzen jeden Spieler herumzuschubsen und bei einem Suckout die Maus gegen die Wand schleudern, ist es ratsam eine Pause einzulegen und sich erst einmal zu beruhigen. Der Schaden, den ihr eurer Bankroll in einer exzessiven Tiltsession zuführern könnt, ist erheblich und sollte nicht unterschätzt werden. Tilt ist das Hauptleak Nummer 1, das gute Spieler von schlechten unterscheidet.
5) Wollust
Hier wird es schon schwieriger einen Bezug zum Pokerspiel zu entwickeln. Probieren wir es dennoch. Poker ist zu Teilen ein Glücksspiel, weswegen das Thema Spielsucht immer im Raum steht. Es ist jedoch schwierig, da man gerade als guter Pokerspieler von seiner Sucht profitieren kann, da man ja regelmäßige Gewinne einfährt. Jedoch sollte man immer aufpassen! Wenn man in eine Situation kommt, in der man sich regelrecht verpflichtet fühlt an die Tische zu gehen, obwohl man eigentlich wichtigere Dinge zu erledigen hätte, sollte man sich über sein Spielverhalten ein paar Gedanken machen. Poker wird nicht umsonst “the hardest way to make an easy living” genannt – eine gewisses Suchtverhalten kann wohl kein regelmäßiger Pokerspieler abstreiten, jedoch sollte man immer wissen, wo die eigenen Prioritäten liegen. Am Ende des Tages ist und bleibt es nur ein schönes und komplexes Kartenspiel – nicht weniger, aber auch nicht mehr!
6) Maßlosigkeit
Maßlosigkeit geht im Poker Hand in Hand mit Selbstüberschätzung. Gerade in einem Upswing verfällt jeder Spieler sehr schnell in eine Art Hybris und hält sich für den Gott der Karten. Doch Achtung: jeder Upswing wird sich im Laufe der Zeit ausgleichen, weswegen man nicht zu euphorisch an die Sache herangehen sollte – bleibt bescheiden und spielt in eurer wahren ComfortZone. Nur weil man sich für den besten Spieler hält, ist man es noch lange nicht und selbst der beste Spieler muss sich an fundamentale Konzepte wie BankrollManagement halten. Rennt also nicht nach einer erfolgreichen Online-Session mit eurer gesamten Bankroll ins Casino, weil ihr gehört hab, dass die Games so soft sind – ohne Disziplin werdet ihr nämlich ganz schnell zum Fisch der Runde.
7) Trägheit
Jaja, die gute alte Faulheit. Der Mensch ist nicht nur ein Gewohnheitstier, nein, er sucht sich auch immer den Weg des geringsten Widerstandes. Wenn man erstmal ein gewisses Limit solide schlägt, scheint Poker wirklich wie reinstes Gelddrucken. Einen Grund morgens früh aufzustehen sucht man garnicht mehr, wenn man plötzlich in einem Monat ein fünfstelliges Gehalt einfährt – doch Poker kann nicht nur brutal zuschlagen – es ist auch keine Beschäftigung, die das Leben komplett einnehmen soll. Wenn Geld verdienen zum Spiel wird, kann sehr schnell Lustlosigkeit auftreten. Auf normale Arbeit hat man kaum noch Lust und im schlimmsten Fall isoliert man sich zu sehr von der Außenwelt, belächelt andere für ihre Jobs und wird arrogant. Dieser Überdruss sollte bei einem respektablen Pokerspieler niemals auftreten!