Was ist Tilt?

Als Tilt (oder auch Steam) bezeichnet man den negativ beeinflussenden Gemütszustand eines Pokerspielers. Wer “tiltet”, der ist häufig nicht mehr in der Lage, sein Spiel durch rationale Entscheidungen zu kontrollieren. Vielmehr verhindern emotional getroffene Entscheidungen mögliche Gewinne und führen häufig dazu, dass man einen großen Teil seiner Bankroll verspielt. Dieses irrationale Spielverhalten ist in der Regel die Folge einer längeren Verluststrecke („persistent downswing“). Tilt ist also jeder Zustand, der einen daran hindert, sein A-Game zu spielen. Kurz gesagt: Tilt ist der größte Feind eines jeden Pokerspielers.

Formen des Tilts:

Man unterscheidet zweierlei Arten des Tilts, nämlich den aggressiven und den passiven Tilt. Während man beim aggressiven Tilt zu viel riskiert, riskiert man beim passiven Tilt zu wenig.

Gründe / Ursachen:

Ich differenziere grundsätzlich zwischen pokerinternen und pokerexternen Faktoren.

Pokerinterne Faktoren:

- es werden mehrere Hände hintereinander verloren („persistent downswing“)

- man bekommt über einen längeren Zeitraum nur schlechte Starthände gedealt und wartet vergeblich auf Premiumhände

- eine bereits sicher geglaubte Hand entpuppt sich doch nicht als Siegerhand („winning hand“)

- bad beats („viel Pech“)

- Spielweise des Gegners (stellt jede Hand All-In, spielt sehr aggressiv)

Pokerexterne Faktoren:

- emotionaler Zustand, Schlafentzug, Alkoholeinfluss

Die Folgen:

Wer „tiltet“, der lässt zu, dass seine Emotionen die Fähigkeit, vernunftorientiert Poker zu spielen, überlagern. Die Folge ist oft verheerend: Man verändert sein übliches Spielverhalten und läuft nicht nur Gefahr, schlechtes Poker zu spielen, sondern auch viel Geld zu verlieren.

Anzeichen:

Die Alarmglocken sollten läuten, wenn man:

- eine längere Verluststrecke verkraften muss („persistent downswing“).

- Emotionen ins Spiel kommen lässt.

- bei geringen Erfolgschancen viel setzt, also mit schwachen Händen um große Pötte spielt.

- zu aggressiv setzt (aggressiver Tilt), zu wenig setzt (passiver Tilt).

- zu viele Hände callt („calling-station“).

- sich unnötigerweise in Raise-Reraise-Kämpfe verwickelt.

- das verlorene Geld um jeden Preis sofort zurückgewinnen will.

- die Objektivität über das eigene Spiel verliert.

- anfängt, den Gegner zu beschimpfen.

- den Tisch verlässt, obwohl man eine Edge hat.

- nach einem Cooler „heiß läuft“.

- auf einen Gegner trifft, der plötzlich anders auf die eigenen Spielzüge reagiert. Womöglich hat dieser längst erkannt, dass man „tiltet“ und hat folglich weniger Respekt vor etwaigen Erhöhungen.

Grund: Man hat sein Image durch (zu) emotionales Pokerspiel verloren!

Tipps & Tricks:

Jeder Pokerspieler „läuft mal heiß“. Es gibt sogar Pokerprofis, die „tilten“. Mike „The Mouth“ Mattusow ist dafür ein gutes Beispiel. Schließlich hat auch Mattusow die emotionale Schwäche, durch kontinuierlich gutes Poker erzielte Gewinne mit katastrophalen Fehlentscheidungen wieder zu verlieren. In Anlehnung an Mattusow spricht man daher auch von „Mike Mattusow Blow-ups“. Von einem Blow-up ist immer dann die Rede, wenn sich ein Spieler durch eine schlechte Entscheidung um den Lohn seiner Arbeit bringt und unnötigerweise Chips verliert. Blow-ups sind zum Beispiel – an der Wahrscheinlichkeit gemessene – dumme All-Ins oder hyperaggressive Entscheidungen, die quasi zum Verlieren verdammt sind. Solche Aktionen führen oft zu einem Teufelskreis, wodurch der Spieler, der „tiltet“ / „on tilt“ ist, noch mehr Geld verliert. Ein wirklich guter Poker-Spieler lernt allerdings mit der Zeit, solche aussichtslosen Spielsituationen zu umgehen. Man sollte immer nur dann in den Pot investieren, wenn man auch aussichtsreiche Gewinnchancen hat. Lange Rede, kurzer Sinn: Tilt zu gehen, davor ist kaum ein Pokerspieler gefeit. Allerdings sollte man versuchen, die Phasen, in denen man „heiß läuft“, zu limitieren. Diese Fähigkeit zeichnet einen guten Pokerspieler aus und trennt die Spreu vom Weizen.

Folgende Tipps & Tricks könnten euch vielleicht helfen, wieder „abzukühlen“:

- Musik hören: Die positive Stimmung, die euer Lieblingssong mit sich bringt, kann sich auch auf das eigene Spiel übertragen.

- Man kann sich auch bei jeder Session ein Zeit- oder Stack-Limit setzen.

- Verbalen Aggressionen ruhig freien Lauf lassen. Doch Vorsicht: Wenn man dem Gegner seine Meinung geigt, sollte man stets darauf achten, dass Beleidigungen unter der Gürtellinie tabu sind.

Außerdem führen verbale Entgleisungen via Online-Chat häufig dazu, dass der jeweilige Anbieter einem für eine gewisse Dauer die Chat-Rechte entzieht. Vorteilhafter wäre es also, einfach laut zu schreien oder sich anderweitig abzureagieren.

- Denkt immer daran: Poker ist in erster Linie ein Wahrscheinlichkeitsspiel, bei dem man den Vorteil der höheren Wahrscheinlichkeit nicht immer auf seiner Seite hat. Damit muss man leben. That´s poker!

- Bankroll-Management (BRM) ist und bleibt der Schlüssel zum Erfolg! Wer eine längere Verluststrecke zu verkraften hat, der sollte in jedem Fall seinem BRM treu bleiben und in das nächstkleinere Limit absteigen, anstatt auch noch seine restlichen Chips zu „verpulvern“. Wer nämlich sein Bankroll-Management ignoriert und sich an Tische eines Limits setzt, das seine Bankroll nicht deckt, der wird zwangsläufig Verluste einfahren.

- Auszeit nehmen, wenn gar nichts mehr rund läuft und das eigene Spiel auf Fehler untersuchen.

- Wer unnötige Risiken eingeht, um kürzlich verlorene Chips zurückzugewinnen, der hat schon verloren. Der „goldene Tipp“ lautet: Tight bleiben und einen kühlen Kopf bewahren!

- Über in der Vergangenheit verlorene Pots sollte man sich auf keinen Fall den Kopf zerbrechen und ärgern. Blickt nach vorne und konzentriert euch lieber auf das bevorstehende Spiel. Dann wird sich auch wieder der Erfolg einstellen…

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