Bluffs erkennen

Sie kennen das bestimmt: Der Gegner schiebt auf einmal einen gewaltigen Einsatz in die Mitte und fordert sie dann hämisch zum Call auf. Wenn er tatsächlich so eine starke Hand hat, haben Sie keine Chance auf den Sieg, aber aus irgendeinem Grund glauben Sie ihm nicht. Kaum schieben Sie Ihre Chips in die Mitte schüttelt der Gegner wütend den Kopf, zischt „Das ist dein Pot“ und wirft seine Karten weg.

Einen so großen Bluff zu entlarven ist ein tolles Gefühl und manche Spieler sind fast schon süchtig nach diesem Gefühl. Dies birgt aber eine große Gefahr: Wenn der Gegner eine starke Hand hat, folden sie nicht sondern reden sich ein, dass es sich um einen Bluff handelt. Sie überreden sich selbst zu einem Call, der zwar ab und zu einen Bluff aufdeckt aber weitaus über zu hohen Verlusten führt. Für den Gegner sind diese Spieler ein Traum, weil sie in jede Premiumhand sehenden Auges hineinlaufen.

Das sollte Ihnen nicht passieren und daher müssen Sie lernen Bluffs zu erkennen. Dabei muss man nicht einfach nach Gefühl callen oder folden oder auf einen Gegner warten der seine Gesichtszüge nicht im Griff hat. Die meisten üblichen Bluffs können Sie mit einfacher Logik lesen. Dazu müssen sie einfach die gegnerischen Einsätze und die Blätter die auf diese Weise gespielt werden könnten in ein Verhältnis setzen. Wenn es einige mögliche Hände gibt, für die die Spielweise des Gegners Sinn macht, dann hat er wahrscheinlich auch eines dieser Blätter auf der Hand und es ist kein Bluff.

Wenn er aber eine Hand anspielt, bei der Einsätze auf Flop und Turn sinnvoll waren, aber auf dem River nicht mehr, dann ist die letzte Bet eventuell ein Bluff. So etwas kommt vor allem dann in Frage, wenn der Flop einige Draws ermöglicht hat und bis zum River keiner davon getroffen hat. In so einem Fall ist die Anzahl möglicher starker Hände gering, die schwacher Hände hingegen groß, so dass eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass ihr Gegner keine gute Hand hat.

Zur Verdeutlichung zwei Beispiele, die eigene Hand ist dabei jeweils egal, es ist aber davon auszugehen, dass man einen Blfuf schlägt.

In der ersten Hand spielen Sie und Ihr Gegner bei Blinds von $1 / $2 und haben jeweils $200. Ihr Gegner raist auf $8, Sie und ein weiterer Spieler callen, der Small Blind foldet. Auf dem Flop kommen 10 8Q. Sie checken, der Gegner setzt $20 in den Pot mit momentan $25, Sie callen, der dritte Spieler steigt aus. Auf dem Turn kommt nun die 5. Sie checken, der Gegner setzt $30 in den Pot mit $65. Nach Ihrem Call kommt auf dem River 6, Sie checken wieder und Ihr Gegner setzt $55 in den Pot von $125.

Ihr Gegner hat schon vor dem Flop gesetzt, dann auf dem Flop gegen zwei Spieler und auf Turn und River ebenso. Auf dem Flop betrug die Bet fast die Potgröße, auf dem Turn den halben Pot. Auf dem River war es dann sogar weniger als die halbe Potgröße. Nach dem River ist zwar kein Flush möglich, aber zwei Straights durch die Karten 4, 7,9,J. Alles in allem ist das Board aber nicht sehr Furcht einflößend und sollte von einer starken Hand wie AA, zwei Paaren oder einem Drilling geschlagen werden.

An dem Setzverhalten des Gegners können Sie erkennen, dass er mit einer fertigen Hand ausbezahlt werden möchte, er hat weder auf dem Turn noch auf dem River viel gesetzt, sehr wahrscheinlich um Sie nicht aus der Hand zu vertreiben. Mir welchen Händen spielt man so? Sehr wahrscheinlich nur mit einer Hand wie AQ oder stärker. Der Gegner kann also QQ-AA haben, zudem könnte er auf dem Flop oder Turn ein Set oder zwei Paare bekommen haben. Selbst J9 wird von einigen sehr aggressiven Spielern so gespielt, immerhin hatte er einen Straight-Draw auf dem Flop. Da alle diese Hände die Spielweise ihres Gegners erklären, hat er sehr wahrscheinlich auch eine von diesen. Daher sollten Sie lieber folden, bevor Sie in eine starke Hand rennen und viel Geld verlieren.

In einem anderen Fall haben Sie mit einem Raise auf $15 einen zuvor limpenden Spieler aus der Hand getrieben, ein anderer hat gecallt. Der Small Blind ist ausgestiegen, im Pot liegen also $33. Auf dem Turn kommen 48:7, sie setzen $22, der Gegner callt. Auf dem Turn kommt die T, Sie und Ihr Gegner checken. Auf dem River wird die 2 aufgedeckt, nach Ihrem Check setzt der Gegner $70 bei einem Pot von $77.

Mit welcher Hand setzt Ihr Gegner so viel auf dem River? Normalerweise bedeutet ein so hoher Einsatz, dass er mindestens zwei Paare hält. Zudem würde ihr Gegner eine so hohe Bet wohl mit T8, jedem Set sowie bei einer Straight also J9, 96 oder 65 spielen.

In diesem Fall macht aber der Check auf dem Turn keinen Sinn. Alle möglichen starken Hände waren bereits auf dem Turn fertig und müssen gegen die beiden möglichen Flushdraws auf dem Tisch verteidigt werden. Zudem würden zwei Paare oder ein Set wohl verlieren, wenn J,9,6 oder 5 kommt, da diese Karten eine Straße vervollständigen könnten. Man kann also davon ausgehen, dass die allermeisten Spieler mit einer der oben genannten Hände auf dem Turn nicht checken sondern setzen würden.

Ihr Gegner repräsentiert auf dem River eine Hand, mit der er auf dem Turn sehr wahrscheinlich gesetzt hätte, es gibt also einen Widerspruch in seinem Handeln. Zudem ist es gut möglich, dass ihr Gegner eine schwache Hand ist, beispielsweise weil sein Flush Draw geplatzt ist oder er AJ hält. Auf jeden Fall passt sein vorheriges Setzverhalten zu der Hand, die er auf dem River repräsentiert, sehr viel wahrscheinlicher ist, dass er mit einer schwachen Hand einen Bluff versucht.

Natürlich gibt es hierfür keine Garantie. Eventuell callen sie die Bet und ihr Gegner hat auf dem River einen Drilling 2er vervollständigt. Ein anderes Mal hat ihr Gegner auf dem Turn unkonzentriert gespielt und mit einer Straße gecheckt. Sollten Sie aber glauben, dass der Gegner gerne blufft, dann sollten Sie die Gelegenheit nutzen, die die zweite Hand Ihnen bietet.

Versuchen Sie dieses logische, schließende Verhalten zu verinnerlichen und Sie werden mittel- bis langfristig ein gutes Gespür für gegnerische Bluffs bekommen.

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