Wohl jeder Pokerspieler kennt die kritische Zeit des Turniers, wenn beispielsweise in einem Sit’n’Go noch vier Spieler dabei sind und drei davon bekommen Geld. In der Pokersprache nennt man diese Phase Bubble und sie ist der Zeitpunkt, in der man die emotionalsten Niederlagen hinnehmen muss, immerhin Platz der Traum vom Cash eventuell wie eine Seifenblase – daher auch der Name Bubble. Niemand will einen Fehler machen, aber zu lange warten kann man auf Grund der hohen Blinds, die den eigenen Stack unaufhörlich anfressen, auch nicht.
Glücklicherweise gibt es für diese Situation ein paar Standardtaktiken, die wir im folgenden kurz vorstellen wollen.
1. Als Shortstack
Wenn man die wenigsten Chips hat, dann kann man nicht einfach nur folden und auf Fehler hoffen, viel mehr muss man Blinds stehlen oder den eigenen Stack verdoppeln um eine bessere Position zu bekommen. Die Frage ist dabei, gegen wen man wann All-In gehen sollte? Auf keinen Fall darf man zu lange warten, bei spätestens 5 BB sollte man alles in die Mitte schieben – und sei es nur um die Blinds zu gewinnen. Dies ist auf jeden Fall besser als zu warten bis man kaum noch Stack hat und dann sehr wahrscheinlich ohnehin vom Big Blind gecallt wird. Bigstacks raisen in dieser Phase des Turniers oft mit eher schwachen Karten, gegen die man als Shortstack oft gewinnen kann. Middlestacks hingegen sind oft vorsichtiger, um nicht selbst der Shorty in der Runde zu werden. Gegen Sie kann man also eher Blinds stehlen und ein gewonnenes All-In hat größere Auswirkungen auf die Runde.
2. Als Middlestack
Wenn man sich mit seinen Chips im Mittelfeld befindet, sollte man sich vor den Leuten mit mehr Chips in Acht nehmen. Genau so starke oder kleinere Stacks hingegen callen nur ungerne, da sie nicht in der Bubble ausscheiden möchte, daher kann man gegen Sie mit vielen Händen raisen.
Um ein Beispiel zu nennen: Man spielt ein Sit’n’Go mit Preisen von 10-6-4, die Blinds liegen bei 50/100 und die Chipstände sind wie folgt: UTG 100 Chips, Button 7900 Chips, SB (wir) und BB je 1000 Chips.
a) Der Shortstack UTG und der Button folden (klarer Fehler des Button, aber s etwas kommt vor). Der Shortstack wird gleich All-In sein, so dass der Big Blind es nur mit wenigen Händen riskieren gleich auszuscheiden und so das Geld zu verpassen. Daher können wir aus dem Small Blind mit fast allen Händen All-In gehen. Der Big Blind wird so oft folden und uns die Blinds überlassen, dass wir für die seltenen Fälle in denen er callt (korrekterweise mit allen Paaren ab TT) und uns aus dem Turnier wirft mehr als ausreichend kompensiert werden.
b) Bei der selben Ausgangssituation geht der Button All-In. Selbst wenn wir wissen, dass er dies mit beliebigen Karten tut, müssen wir extrem tight agieren. Sitzen wir im Big Blind sind KK und AA profitable Calls, im Small Blind sogar nur AA, da KK zu riskant ist angesichts der Tatsache das der Shortstack in der nächsten Runde sehr wahrscheinlich ausscheidet.
3. Als Bigstack
Wenn man die meisten Chips hat, kann man bequem einen Blind nach dem anderen einsammeln, da die Middlestacks sich kaum trauen Widerstand zu leisten. Bei niedrigeren Blinds sollte man dabei nicht immer den gleichen Raise machen, sondern die Höhe variieren und eventuell sogar Preflop limpen um nicht zu berechenbar zu werden.
Die entscheidende Frage ist nun für die Turnierstrategie, ob der Vorteil des Bigstack so groß ist, dass man vor der Bubble Risiken eingehen sollte um Bigstack zu werden. Oder sollte man eher in Situationen in denen die Odds für einen Call sprechen folden, um auf jeden Fall den Vorteil in der Bubble zu behalten? Eine klare Antwort auf diese Fragen gibt es nicht, sicherlich hat es einen gewissen Wert der Bigstack zu sein, aber die Turnierdynamik lässt es oft nicht zu, dass man sich über einen längeren Zeitpunkt an so einer profitablen Situation erfreuen kann.