Spiel gegen Short Stacks

Fast immer wenn man Online unterwegs ist, wird man auf Spieler treffen, die mit dem absoluten Tischminimum spielen. Dies liegt aber nicht an einer mangelnden Bankroll sondern an einer inzwischen weit verbreiteten Strategie. Die Short-Stack-Strategie erfreut sich vor allem bei Anfängern großer Beliebtheit, auch weil eine bekannte Onlinepokerschule sie empfiehlt.

Die Taktik dieser Spieler ist denkbar einfach: Sie spielen nur wenige Premiumhände, dann kommt es aber meist schon vor dem Flop zu einem All-In. Beim Spieler gegen einen solchen Gegner müssen daher ein paar Dinge beachtet werden: Selbst wenn vor dem Flop kein All-In kommt, sind diese Spieler nach dem Flop sehr wahrscheinlich Pot commited, so dass sie nun alle ihre Chips in die Mitte schieben. Daher muss man sich schon vor dem Flop überlegen, ob die eigene Hand – auch im Verhältnis zum Stack des Gegners – stark genug für ein Showdown-Duell ist.

Ein paar Sachen sollte man daher immer bedenken, bevor man den Raise des Shorties bezahlt:

1. Die eigene Hand sollte schon vor dem Flop stark sein.

2. Die Position am Tisch ist wie immer von Bedeutung. Wenn möglich sitzt man hinter dem Shorty, so dass man seine Aktion nach dem Flop sehen kann. Ist man vor ihm an der Reihe und hat den Flop nicht getroffen: Bloß nicht bluffen! Man spielt auf jeden Fall nur weiter, wenn man eine realistische Chance hat den Pot zu gewinnen, man also den Flop getroffen hat.

3. Problematisch wird es, wenn der Shorty einige Caller hat. Da das All-In eher niedrig ausfällt, ist es nicht ungewöhnlich, dass auch drei oder vier Spieler mitgehen. Dies stellt zum Beispiel ein Problem dar, wenn man ein mittleres oder sogar nur ein kleines Paar hat. In der Regel ist es besser solche Hände zu folden, denn gegen eine so große Zahl von Spielern ist man wahrscheinlich im Nachteil nach dem Flop. Im Idealfall hält man selbst eine Premiumhand also z.B. KK oder AA. Wenn es dazu kommt, muss man unbedingt selbst raisen und das so hoch, dass möglichst viele Spieler ihre Karten weglegen. Da der anfängliche Raise des Short Stacks so niedrig war, sollte man diesen Einsatz vervielfachen.

4. Die SSS-Spieler folgen meist festen Charts die sie von Pokerschulen bekommen. Sie spielen also nur bestimmte Hände und folgen dabei einem bestimmen Muster. Hier ein paar Beispiele, wie man sich verhalten sollte:

Early Position: Die SSS-Spieler raisen hier nur mit JJ-AA und AK. Daher sollte man vorsichtig sein und nur mit KK und AA mitspielen – da dann aber mit einem ordentlichen Reraise.

Middle Position: Der Shorty raist hier mit 99-AA und AQ sowie AK. Ein Reraise erfolgt hier mit QQ-AA, callt ein dritter Spieler vorher die Erhöhung des Short Stacks kann man auch noch JJ und AK spielen.

Late Position: Hier raisen die meisten Short Stacks mit 99-AA und AJ-AK sowie KQ. Dem entsprechend kann man eine relativ breite Spanne von Händen reraisen, nämlich JJ-AA und AK.

Gegenüberstellung der beiden „großen“ Strategien:

Short Stack Strategie

  • Die Gefahr broke zu gehen ist gering.
  • Man folgt festen Charts
  • Nach dem Flop muss man keine Entscheidungen mehr treffen, da man ohnehin commited ist.
  • Man hat nur eine relativ niedrige Winrate.
  • Da man nach dem Flop nicht mehr mitspielt, entwickelt man in diesem Bereich keine Skills. Das „wahre“ Poker lernt man daher nicht.
  • Auf Grund der sehr geringen Chipzahl wird man häufig direkt von Big Stacks attackiert.

Big Stack Strategie

  • Es muss sowohl das Pre- als auch das Postflop–Spiel beherrscht werden.
  • Die Winrate ist relativ hoch.
  • Implied Odds werden relevant für das Spiel.
  • Bei mangelndem Bankrollmanagement und schlechter Disziplin ist die Gefahr broke zu gehen hoch.
  • Downswings und Bad Beats bedeuten direkt hohe Stackverluste.

Abschließend lässt sich sagen, das die SSS kein richtiges Poker ist. Kennt man die Charts und die Strategie sind Shorties leicht auszurechnen und zu spielen. Das schwierigste dabei ist zu erkennen, ob man wirklich gegen einen SSS-Spieler antritt, oder nur ein BSS-Spieler schon einen Großteil seines Stacks verloren hat.