Five Card Draw Strategie

Five Card Draw PokerFive Card Draw ist eine der ältesten und bekanntesten Pokervarianten. In den Live-Casinos findet man das Spiel heutzutage kaum mehr, da es nur aus zwei Setzrunden besteht. Online wird zumeist 5- oder 6-handed gespielt.

Die erste Setzrunde heißt Predraw. Sie beginnt nachdem jeder Spieler fünf verdeckte Karten erhalten hat. Beim Five Card Draw wird mit Small und Big Blind gespielt. Die Reihenfolge des Setzens ist die gleiche wie beim Texas Hold'em.

Nachdem alle Einsätze getätigt wurden, ist es Zeit für den Draw. Hier kann der Spieler seine Karten tauschen: Eine beliebige Anzahl zwischen einer und fünf Karten. Der Spieler erhält dafür dieselbe Anzahl an neuen Karten. Wer keine neuen Karten möchte, macht einen “Stand Pat” und behält seine fünf Karten.

Die Setzrunde Nummer zwei heißt Postdraw. Der Spieler im Small Blind kann als erster checken oder setzen. Beim Showdown gewinnt der Spieler mit der besten, aus fünf Karten bestehenden Handkombination wie beim Texas Hold'em oder Omaha auch.

Gründe für Five Card Draw

Was die Regeln und die Action angeht, ist Five Card Draw ein sehr schnelles und einfaches Spiel. Zudem trifft man online und live immer auf unerfahrene Spieler und Anfänger, die sich mit den richtigen Strategien nur wenig auskennen. Bisher gibt es auch nur wenig Literatur über die Konzepte und Strategien dazu.

Five Card Draw ist zudem eine Variante mit geringer Varianz. Es gibt ja nur zwei Setzrunden. Zudem wird man, wenn man eine überlegene Hand hat, wie zum Beispiel ein höheres Paar als der Gegner, vor dem Draw nahezu immer zu 75 % vorne liegen. Somit ist das Spiel ideal für Spieler, die ihre Bankroll ohne größere Schwankungen, aber dafür eventuell langsamer, aufbauen wollen.

Strategie

Draw Poker (oft auch Jacks or Better genannt, da dies in vielen Games die Minimalanforderung ist) war früher das beliebteste Pokerspiel und fast jeder kennt Filme mit einer Gruppe grimmiger Cowboys, die auf Zigarren kauend und billigen Whiskey trinkend in einem staubigen Saloon sich mit verengten Augen anstarren und Draw Poker spielen.

In der modernen Welt ist Draw Poker sicherlich nicht mehr die populärste Pokervariante, genießt aber vor allem in Home Games weiterhin einen guten Ruf.

Geduld, Disziplin und Aggression

Five Card Draw PokerGeduld, Disziplin und Aggression bilden den Kern jeder korrekten Draw Poker Strategie. Auch wenn es nicht so scheint, ist es relativ schwierig seine Hand zu verbessern. Wenn man ein Paar und einen Three Draw hat, wird man seine Hand nur in 40 % der Fälle verbessern. Deswegen sollte man mit starken Starthänden starten. Position ist das A und O, um herauszufinden welche Art von Händen man spielen sollte. Je mehr Spieler hinter einem selbst sitzen, desto wahrscheinlicher ist es, dass jemand eine bessere Hand hält, die einen schlägt.

Zusätzlich sollte man bei jeder Runde seine Eröffnung mit einer Erhöhung beginnen. Dies ist wichtig, da man so das Feld ausdünnt und nicht zu viele Gegenspieler gegen einen drawen lässt.

Hier ein kurzer Überblick über die Hände, die man in einem Eight-handed Draw Game spielen sollte:

Position Small Blind:

Wenn zu einem gefoldet wird, sollte man 77+ erhöhen, 22+ limpen, mit AQ+ ein Raise callen und drei Karten tauschen (wenn nötig)

Wenn jemand anders eröffnet und zwei Spieler callen sollte man nur mit TT+ callen

Position Big Blind:

Bei drei Limpern mitspielen

KK+ erhöhen

Bei Raise und zwei Callern TT+ callen

Under the Gun, UTG+1 und Middle Position:

AA+ erhöhen

Hijack:

KK+ erhöhen

Cut-Off:

JJ+ erhöhen

Button:

TT+ erhöhen

99 erhöhen, wenn man ein Ass oder zwei Broadways hat

Dies sind ein paar Richtlinien zum Preflop Play, die auf der mathematischen Wahrscheinlichkeit von Preflop Händen beruhen. Wenn man diese Richtlinien befolgt, sollte man eine Edge über den durchschnittlichen Gegner haben.

Wie man auf die Erhöhung seiner Gegner reagiert ist ein wenig komplizierter. Der Schlüssel für die Entscheidung ist die Spielweise der Gegner.

Den Gegner kategorisieren

Man muss den Gegner kategorisieren, um eine Strategie gegen unterschiedliche Spieler zu ermitteln. Man wird auf loose Spieler treffen, die alle Karten spielen, um irgendetwas zu treffen. Wenn man auf solche Spieler trifft, sollte man sie mit seinen guten Händen durch Erhöhungen isolieren. Im Gegensatz dazu sollte man gegen tighte Spieler alle marginalen und mittelstarken Hände passen, da sie nur mit Monstern erhöhen werden.

Konzentriertes Beobachten der Spielgewohnheiten, Erhöhungen und Setzmuster wird oftmals auf unterschiedliche Handstärken deuten. Saugt man diese Informationen auf wie ein Schwamm, kann man sie nutzen um die richtige Entscheidung in knappen Situationen zu treffen.

Da der Spielerpool beim Five Card Draw nicht so groß ist, kann man seine Gegner recht schnell gut kennenlernen. Dazu sollte man online aktiv mit Playernotes arbeiten und zum gesamten Spektrum der Gegner Notizen machen, sowohl zu den schlechten als auch zu den guten Spielern. Sobald man im Spiel ist und seinen ersten BB bezahlt hat, kann man ständig Informationen über seine Gegner und ihre Hände sammeln. Mit Hilfe der Hand History sollte man schauen, wie oft ein bestimmter Gegner raist, callt, blufft oder eine Hand overplayed. So bekommt man eine große Edge ihnen gegenüber und kann ideale Raises, Valuebets, Folds oder Calls machen.

Table Selection

Table Selection spielt bei diesem Spiel eine wichtige Rolle. Auf den Low lassen sich viele profitable Tische finden. Die Spieler dort limpen viel, slowplayen Twopairs oder Trips häufig und bringen einen nur selten in verzwickte Situationen. Auf den höheren Limits sollte man sich seine Tische sehr gut aussuchen, da dort deutlich weniger Fehler gemacht werden.

Man sollte immer nach Gegnern Ausschau halten, die oft Fehler machen und sich dann einfach an diese Tische setzen. Es gilt die richtigen Spots gegen die richtigen Spieler zu finden. Eine gute Winrate kommt dann von ganz allein. Oft kann es sich auch lohnen, an auseinanderbrechenden Tischen zu bleiben und Heads-up bzw. 3- oder 4-handed zu spielen.

Bankroll Management

Zu der Frage, wie groß die Bankroll sein sollte, muss man sowohl den Risk of Ruin (RoR), als auch die Standardabweichung in Betracht ziehen. Generell kann man aufgrund der nur zwei vorhandenen Setzrunden und bis zu Limits von $3/$6 recht schwachen Gegner mit einer optimalen Bankroll von etwa 200 Big Bets (BB) rechnen.

Wenn man $1/$2 FL spielen möchte, sollte man eine Bankroll von mindestens $ 400 haben. Downswings von mehr als 40 bis 50 Big Blinds sind für gute Spieler meist eine absolute Rarität. Sollten sie doch vorkommen, liegt es eher an schlechtem Spiel gepaart mit schlechten Karten. Die Empfehlung von 200 Big Blinds kann für sehr gute Spieler etwas konservativ erscheinen, ist aber für Anfänger definitiv das richtige.

Five Card Draw Literatur

Ein Buch, mit dem man fortgeschritteneren Strategien lernen kann, ist “Poker Strategy: Winning with Game Theory” des Mathematikers Nesmith Ankeny. Das Buch wurde im Jahr 1981 veröffentlicht und bezieht sich auf Five Card Draw Jacks-or-better. Dieses Spiel hat dieselben Regeln wie beim normalen Five Card Draw, nur dass man Jacks oder besser benötigt, um in die Hand einzusteigen). Die Grundlagen sind die gleichen, da auch nur zwei Setzrunden gespielt werden.

Ankeny beschreibt die Abläufe predraw und die Handauswahl, genau wie den Prozess des Drawens und die Aktionen nach dem Draw. Besonders zu den Spielweisen postdraw finden sich hier interessante Anregungen. Zudem findet man in dem Buch viele Vorschläge und Hinweise, wie man über die wahre Stärke seiner Hand möglichst wenig preisgibt. So soll man beispielsweise mit Trips immer nur eine Karte discarden. Somit kann man seine gesamte Range kreativer spielen und wird öfter ausbezahlt.

Im Buch “Doyle Brunson's Super System (Part I)”, welches 1979 erschien, gab es ein Kapitel über Five Card Draw. Es wurde vom Statistik- und Psychologieexperten Mike Caro geschrieben, der auch als “Mad Genius” bekannt war. Online kann man sich von dem Kapitel nicht viel Hilfe erwarten. Dennoch gibt es in dem Buch eine sehr nützliche Odds-Tabelle, mit deren Hilfe Einsteiger ein gutes Gefühl für Handverteilungen und Odds zum Verbessern der eigenen Hand entwickeln können.

In Norman Zadehs Buch “Winning Poker Systems” gibt es zwei Kapitel über Pre- und Postdrawplays beim FL Five Card Draw, die durchaus lesenswert sind. Der rumänische Mathematiker Catalin Barboianu veröffentlichte “Draw Poker Odds, the Mathematics of Classical Poker”, in dem die mathematischen und statistischen Grundlagen des Spiels gut erklärt werden. Das Buch ist jedoch sehr mathematisch geschrieben und legt weniger Wert auf Strategien.