Tilt: Hilfe, ich verliere nur noch!

Poker Tilt TippsNicht nur beim Pokern, sondern auch bei vielen anderen Sportarten und E-Sports wird Ihnen oft der Ausdruck "tilt" begegnen. Das Verb to tilt kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt "kippen" oder "neigen". Im Zusammenhang mit Poker bedeutet das Wort schlichtweg, dass die Stimmung eines Spielers "kippt" und dieser frustriert ist. In der Folge kann er dazu neigen, Leichtsinnsfehler zu machen. Hier beschreiben wir Ihnen den Gemütszustand näher und geben Ihnen hilfreiche Tipps, wie Sie den Tilt beim Pokern vermeiden können.

Tilt beim Pokern

Wenn man viele Hände hintereinander verloren hat oder sich über einen eigenen schlechten Spielzug oder das Verhalten eines Gegners ärgert und daraufhin Einsätze tätigt und Fehler macht, die man sonst nicht gemacht hätte, dann sind das Anzeichen dafür, dass man "tilt" ist.

Was ist tilt?

Für einen Tilt beim Pokern kann es die verschiedensten Gründe geben. Entweder stiehlt jemand die ganze Zeit Pötte, während man geduldig auf seine Karten wartet oder man regt sich über einen Spieler auf, der unsinnige Calls macht und dann mit purem Glück auf dem River gewinnt usw. Jeder, der schon etwas öfter Poker gespielt hat, kennt es und ist wohl selbst bereits schon heißgelaufen, vielleicht sogar ohne es zu merken.

Und das ist im Grunde das Schlimmste, was einem Spieler passieren kann. Das sogenannte Endstadium, welches man „Tilt“ nennt, und das noch schlimmer ist, als wenn man nur noch schlechte Karten bekommt! Denn dadurch verliert man das meiste Geld. Dieser Zustand entsteht immer, wenn man verliert, denn wer verliert schon gerne! Verliert man aber häufig nacheinander, so wird einem der Ärger zum Verhängnis. Man erkennt das meist daran, dass man plötzlich nicht mehr fokussiert ist und unruhig wird, mit sich selbst redet und sich beispielsweise fragt, wie das sein kann, dass man so viel Pech hat! Viele zeigen es auch, indem sie anfangen, sich wild über verlorene Hände aufzuregen.

Ein bekannter Satz aus der Pokerwelt passt daher besonders zum Thema „Tilt“: Profis gewinnen, weil sie gut verlieren können!

Wie man das Tilten vermeiden kann

Man sollte sich auf das Spiel konzentrieren, welches vor einem liegt, und nicht auf die verlorenen Hände, die hinter einem liegen. Natürlich muss man immer seine Fehler analysieren, doch dafür hat man auch noch nach dem Spiel genug Zeit. Und man sollte sich immer das Ziel vor Augen halten, gutes Poker zu spielen. Denn selbst an Tagen, wo es nicht so läuft und man am Ende verliert, hat man mit guter Spielweise immer noch weniger verloren, als wenn man heißgelaufen wäre! Und genau das macht den Unterschied aus.

Des Weiteren sollte man sein Spiel im langfristigen Zusammenhang sehen. Eine Fußballmannschaft, die sonst immer an der Spitze steht, hat auch mal schwächere Phasen, doch dadurch entsteht bei starken Teams nicht gleich eine Krise, sondern sie finden früher oder später zurück zu ihrem A-Game. Denn die Qualität des Kaders ist ja gegeben, stimmt es dann auch in der Auffassung und Verarbeitung von Rückschlägen und Niederlagen, so werden sie langfristig oben mitspielen.

Und man muss vor allem Verluste und Niederlagen einplanen! Professionelle Spieler haben dies in Ihre Erwartungen eingebaut und sehen das Pokern wie einen Job. Gewinnt man im Schnitt also an 6 von 10 Tagen, so ist man erfolgreich. Natürlich ist dieser Schnitt nicht optimal, aber zumindest ist das die richtige Denkweise, die langfristig zu einem erfolgreichen Spiel beiträgt.

Ansonsten sollte man auch einfach mal eine Pause einlegen, wenn man merkt, dass man anfängt, mehr zu verlieren, und zu emotional wird.

Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der Symptome, der Ursachen und der Gegenmittel gegen Tilt, den schlimmsten Feind des Pokerspielers:

Formen des Tilts:

Man unterscheidet zweierlei Arten des Tilts, nämlich den aggressiven und den passiven Tilt. Während man beim aggressiven Tilt zu viel riskiert, riskiert man beim passiven Tilt zu wenig.

Gründe / Ursachen:

Wir differenzieren grundsätzlich zwischen pokerinternen und pokerexternen Faktoren.

Pokerinterne Faktoren:

  • es werden mehrere Hände hintereinander verloren („persistent downswing“)
  • man bekommt über einen längeren Zeitraum nur schlechte Starthände gedealt und wartet vergeblich auf Premiumhände
  • eine bereits für sicher gehaltene Hand entpuppt sich doch nicht als Siegerhand („winning hand“)
  • Bad Beats („viel Pech“)
  • Spielweise des Gegners (stellt jede Hand All-In, spielt sehr aggressiv)

Pokerexterne Faktoren:

  • emotionaler Zustand, Schlafentzug, Alkoholeinfluss

Die Folgen:

Wer „tiltet“, der lässt zu, dass seine Emotionen die Fähigkeit, vernunftorientiert Poker zu spielen, überlagern. Die Folgen sind oft verheerend: Man verändert sein übliches Spielverhalten und läuft nicht nur Gefahr, schlechtes Poker zu spielen, sondern dabei auch noch viel Geld zu verlieren.

Anzeichen:

Die Alarmglocken sollten läuten, wenn man:

  • eine längere Verluststrecke verkraften muss („persistent Downswing“).
  • Emotionen ins Spiel kommen lässt.
  • bei geringen Erfolgschancen viel setzt, also mit schwachen Händen um große Pötte spielt.
  • zu aggressiv setzt (aggressiver Tilt), zu wenig setzt (passiver Tilt).
  • zu viele Hände callt („Calling-Station“).
  • sich unnötigerweise in Raise-Reraise-Kämpfe verwickelt.
  • das verlorene Geld um jeden Preis sofort zurückgewinnen will.
  • die Objektivität in Bezug auf das eigene Spiel verliert.
  • anfängt, den Gegner zu beschimpfen.
  • den Tisch verlässt, obwohl man eine Edge hat.
  • nach einem Cooler „heißläuft“.
  • auf einen Gegner trifft, der plötzlich anders auf die eigenen Spielzüge reagiert. Womöglich hat dieser längst erkannt, dass man „tiltet“ und hat folglich weniger Respekt vor etwaigen Erhöhungen.

Grund: Man hat sein Image und seine Form durch (zu) emotionales Pokerspiel verloren!

Tipps & Tricks zum Abkühlen:

Tipps & Tricks zum AbkühlenEin guter Spieler unterscheidet sich von einem schlechten darin, wie er damit umgeht, über einen längeren Zeitraum keine guten Karten zu bekommen. Jeder kann mit guten Karten spielen, aber nur gute Spieler können auch mit schlechten Karten eine solide Performance abliefern. Damit Ihnen die schlechten Karten nicht aufs Gemüt schlagen, müssen Sie immer versuchen, Ihr bestes Spiel abzuliefern. So verhindern Sie auch in schlechten Phasen, ständig an Ihre Bankroll zu denken. Wenn Sie dauerhaft gut spielen und sich dabei an das Bankrollmanagement halten, wird diese langfristig ständig wachsen.

  • Bad Beats sind mit Sicherheit der häufigste Auslöser von Tilt. Um die Emotionen nach Bad Beats zu kontrollieren, müssen Sie sie kognitiv bewältigen. Machen Sie sich klar, wie häufig sie vorkommen und auch, dass Poker zu einem großen Teil auch ein Glücksspiel ist. Machen Sie sich klar wie oft Hände durch Glück entschieden werden. Bad Beats kommen vor, jeder hat einmal Glück oder Pech, aber mit Disziplin kann man diesen Zufallsfaktor auf lange Sicht überwinden.
  • Bevor Sie die Pokersoftware starten, schalten Sie ab und vergessen Sie Ihre Probleme. Wenn Sie abgelenkt sind und sich nicht voll auf das Spiel konzentrieren, haben Ihre Gegner einen Vorteil, den sie ausnutzen werden.
  • Musik hören: Die positive Stimmung, die Ihr Lieblingssong mit sich bringt, kann sich auch auf das eigene Spiel übertragen.
  • Man kann sich auch bei jeder Session ein Zeit- oder Stack-Limit setzen. Einige Anbieter werden Sie auch Limits darüber setzen lassen, wieviel Sie bereit sind, aufs Spiel zu setzen.
  • Sehen Sie davon ab, Ihren Aggressionen verbal freien Lauf zu lassen. Die Chat Funktion am Pokertisch ist da, um Spielern ein freundliches Miteinander untereinander zu ermöglichen, nicht um sich gegenseitig zu beleidigen.- Lassen Sie sich außerdem nicht von den Kommentaren anderer Spieler ablenken oder gar aus dem Konzept bringen. Wenn Ihnen jemand seine Hand verrät oder von seinem Bluff vorschwärmt, dann will er Ihnen fast immer mit falschen Informationen ein falsches Bild liefern. Vertrauen Sie den anderen Spielern niemals!
  • Außerdem führen verbale Entgleisungen via Online-Chat häufig dazu, dass der jeweilige Anbieter einem für eine gewisse Dauer die Chat-Rechte entzieht. Vorteilhafter wäre es also, einfach laut zu schreien oder sich anderweitig abzureagieren.
  • Denken Sie immer daran: Poker ist in erster Linie ein Wahrscheinlichkeitsspiel, bei dem man den Vorteil der höheren Wahrscheinlichkeit nicht immer auf seiner Seite hat. Damit muss man leben. 'That´s poker! That's life!'
  • Bankroll-Management (BRM) ist und bleibt der Schlüssel zum Erfolg! Wer eine längere Verluststrecke zu verkraften hat, der sollte in jedem Fall seinem BRM treu bleiben und in das nächstkleinere Limit absteigen, anstatt auch noch seine restlichen Chips zu „verpulvern“. Wer nämlich sein Bankroll-Management ignoriert und sich an Tische eines Limits setzt, das seine Bankroll nicht deckt, der wird zwangsläufig Verluste einfahren.
  • Zudem kann auch die Wahl einer falschen Spielvariante dazu führen, dass Spieler in Tilt verfallen. Manch ein Spieler hat schon in Heads-Up Situation die gesamte Bankroll verloren, weil er einfach keine guten Karten gekriegt hat und dabei auf einem zu hohen Level gespielt hat. Wenn Sie eine Variante spielen, in der man viel Glück braucht, dann sorgen Sie für eine ausreichend hohe Bankroll!
  • Auszeit nehmen, wenn gar nichts mehr rund läuft, und das eigene Spiel auf Fehler untersuchen.
  • Wer unnötige Risiken eingeht, um kürzlich verlorene Chips zurückzugewinnen, der hat schon verloren. Der „goldene Tipp“ lautet: Tight bleiben und einen kühlen Kopf bewahren!
  • Über in der Vergangenheit verlorene Pots sollte man sich auf keinen Fall den Kopf zerbrechen und ärgern. Blicken Sie nach vorne und konzentrieren Sie sich lieber auf das bevorstehende Spiel. Dann wird sich auch wieder der Erfolg einstellen…