Short Stacks

Definition Short Stacks

Short Stack PokerShort Stack bedeutet, dass man im Gegensatz zu den Gegnern am Tisch und im Verhältnis zum Buy-In und zu den aktuellen Blinds über wenig Geld oder Chips verfügt. Hat der Spieler also nur einen kleinen Stack zur Verfügung, wird er Short Stack genannt. Die vorhandenen Chips oder das verfügbare Geld Budget wirken sich dabei auf die Spielweise des Short Stacks und seiner Gegner aus. Als Short Stack kann man keine kostenintensiven, komplexen Spielzüge vornehmen und von den Gegnern nur jeweils so viel Chips gewinnen, wie man selbst besitzt. Im Turnier steht man unter Druck, sein Stack schnellstmöglich zu vergrößern und sollte nicht lange auf eine spielbare Hand warten, weil der verbliebene Stack ansonsten von den Blinds aufgefressen wird.

Spiel gegen Short Stacks

Fast immer wenn man online unterwegs ist, wird man auf Spieler treffen, die mit dem absoluten Tischminimum spielen. Dies liegt aber nicht an einer mangelnden Bankroll, sondern an einer inzwischen weit verbreiteten Strategie. Die Short Stack Strategie erfreut sich vor allem bei Anfängern großer Beliebtheit, auch weil eine bekannte Online Pokerschule sie empfiehlt.

Die Taktik dieser Spieler ist denkbar einfach: Sie spielen nur wenige Premiumhände, dann kommt es aber meist schon vor dem Flop zu einem All-in. Beim Spiel gegen einen solchen Gegner müssen daher ein paar Dinge beachtet werden: Selbst wenn vor dem Flop kein All-in kommt, sind diese Spieler nach dem Flop sehr wahrscheinlich Pot commited, so dass sie nun alle ihre Chips in die Mitte schieben. Daher muss man sich schon vor dem Flop überlegen, ob die eigene Hand – auch im Verhältnis zum Stack des Gegners – stark genug für ein Showdown-Duell ist.

Ein paar Sachen sollte man daher immer bedenken, bevor man den Raise des Short Stacks bezahlt:

1. Die eigene Hand sollte schon vor dem Flop stark sein.

2. Die Position am Tisch ist wie immer von Bedeutung. Wenn möglich sitzt man hinter dem Short Stack, so dass man seine Aktion nach dem Flop sehen kann. Ist man vor ihm an der Reihe und hat den Flop nicht getroffen: Bloß nicht bluffen! Man spielt auf jeden Fall nur weiter, wenn man eine realistische Chance hat den Pot zu gewinnen, man also den Flop getroffen hat.

3. Problematisch wird es, wenn der Short Stack einige Caller hat. Da das All-In eher niedrig ausfällt, ist es nicht ungewöhnlich, dass auch drei oder vier Spieler mitgehen. Dies stellt zum Beispiel ein Problem dar, wenn man ein mittleres oder sogar nur ein kleines Paar hat. In der Regel ist es besser solche Hände zu folden, denn gegen eine so große Zahl von Spielern ist man wahrscheinlich im Nachteil nach dem Flop. Im Idealfall hält man selbst eine Premiumhand also z.B. KK oder AA. Wenn es dazu kommt, muss man unbedingt selbst raisen und das so hoch, dass möglichst viele Spieler ihre Karten weglegen. Da der anfängliche Raise des Short Stacks so niedrig war, sollte man diesen Einsatz vervielfachen.

4. Die Short Stack Strategie (SSS) Spieler folgen meist festen Charts die sie von Pokerschulen bekommen. Sie spielen also nur bestimmte Hände und folgen dabei einem bestimmen Muster. Hier ein paar Beispiele, wie man sich verhalten sollte:

Early Position: Die SSS-Spieler raisen hier nur mit JJ bis AA und AK. Daher sollte man vorsichtig sein und nur mit KK und AA mitspielen – da dann aber mit einem ordentlichen Re-Raise.

Middle Position: Der Short Stack raist hier mit 99 bis AA und AQ sowie AK. Ein Re-Raise erfolgt hier mit QQ bis AA, callt ein dritter Spieler vorher die Erhöhung des Short Stacks kann man auch noch JJ und AK spielen.

Late Position: Hier raisen die meisten Short Stacks mit 99 bis AA und AJ bis AK sowie KQ. Dem entsprechend kann man eine relativ breite Spanne von Händen reraisen, nämlich JJ bis AA und AK.

Gegenüberstellung der beiden „großen“ Strategien:

Short Stack Strategie (SSS)

  • Die Gefahr broke zu gehen ist gering.
  • Man folgt festen Charts
  • Nach dem Flop muss man keine Entscheidungen mehr treffen, da man ohnehin commited ist.
  • Man hat nur eine relativ niedrige Winrate.
  • Da man nach dem Flop nicht mehr mitspielt, entwickelt man in diesem Bereich keine Skills. Das „wahre“ Poker lernt man daher nicht.
  • Auf Grund der sehr geringen Chipzahl wird man häufig direkt von Big Stacks attackiert.

Big Stack Strategie

  • Es muss sowohl das Pre- als auch das Postflop–Spiel beherrscht werden.
  • Die Winrate ist relativ hoch.
  • Implied Odds werden relevant für das Spiel.
  • Bei mangelndem Bankrollmanagement und schlechter Disziplin ist die Gefahr broke zu gehen hoch.
  • Downswings und Bad Beats bedeuten direkt hohe Stackverluste.

Abschließend lässt sich sagen, das die SSS kein richtiges Poker ist. Kennt man die Charts und die Strategie sind Short Stacks leicht auszurechnen und zu spielen. Das schwierigste dabei ist zu erkennen, ob man wirklich gegen einen SSS-Spieler antritt, oder nur ein BSS-Spieler schon einen Großteil seines Stacks verloren hat.

Short-Stack-Strategie (SSS): Grundlagen

Short Stack GrundlagenFrage: Was versteht man unter der so genannten Short Stack Strategie (SSS)?

Antwort: Die Short Stack Strategie (SSS) ist eine Pokerstrategie, deren Grundidee relativ einfach zu verstehen ist. Ziel ist es, sich mit wenigen Chips (= Short Stack) an einem Tisch einzukaufen und starke Blätter möglichst aggressiv zu spielen, um mindestens 25 % Rendite des ursprünglichen Buy-Ins zu erzielen und anschließend den Tisch zu wechseln.

Frage: Mit wie viel Geld kauft man sich ein? Wie short ist der Stack?

Antwort: Der Stack muss 20-mal so groß sein wie ein Big Blind (BB) des jeweiligen Limits, was bei den meisten Online Anbietern dem Minimum-Buy-in entspricht. Setzt man sich also an einen Tisch im Limit NL10 (0.05 / 0.10), dann kauft man sich mit $ 2 ein (0.10 x 20 = 2). Setzt man sich an einen Tisch im Limit NL50 (0.25 / 0.50), dann kauft man sich mit $ 10 ein (0.50 x 20 = 10) usw.

Frage: Wann verlässt man den Tisch, um sich an einen neuen zu setzen?

Antwort: Man verlässt den Tisch und setzt sich an einen neuen, wenn man 25 % Rendite des ursprünglichen Buy-Ins erzielt hat. Wer sich also an einem Tisch im Limit NL10 (0.05 / 0.10) mit $ 2 einkauft, der verlässt den Tisch, sobald er $ 2.50 erspielt hat. Wer sich an einem Tisch im Limit NL50 (0.25 / 0.50) mit $ 10 einkauft, der verlässt den Tisch, sobald er $ 12.50 erspielt hat usw.

Frage: Wann kauft man nach?

Antwort: Man kauft nach, wenn man 25 % des ursprünglichen Buy-ins verloren hat. Wer sich also an einem Tisch im Limit (0.05 / 0.10) mit $ 2 einkauft, der kauft nach bzw. füllt auf $ 2 auf, sobald sein Chipstand auf $ 1.50 sinkt. Wer sich an einem Tisch im Limit NL50 (0.25 / 0.50) mit $ 10 einkauft, der kauft nach bzw. füllt auf, sobald sein Chipstand auf $ 7.50 sinkt usw.

Frage: Welche Hände soll man spielen?

Antwort: Welche Hände man spielt, ist stark von der jeweiligen Position am Tisch abhängig. Sitzt man in früher Position, so werden ausschließlich hohe Paare bzw. Monsterhände (JJ, QQ, KK, AA, KA) gespielt. Sitzt man in mittlerer Position, können auch mittlere Pocket-Pairs wie 99 oder TT gespielt werden. Sitzt man dagegen in später Position oder den Blinds, werden sowohl kleine Pocket-Pairs wie 77 oder 88 als auch folgende Ass-Kombinationen gespielt: AK, AQ, AJ, AT.

Frage: Wann funktioniert die Short Stack Strategie?

Antwort: Die Short Stack Strategie funktioniert nur dann, wenn man mindestens sieben Gegner am Tisch hat, von denen nicht mehr als zwei Spieler ebenfalls die Short Stack Strategie anwenden. Ansonsten wird die eigene Gewinnwahrscheinlichkeit erheblich minimiert.

Zusammenfassung der SSS-Grundregeln:

Die Short Stack Strategie wirft langfristig nur dann Gewinne ab, wenn:

  • Buy-In: 20-facher Big Blind (BB)
  • Tisch verlassen: + 25 % des ursprünglichen Buy-Ins (= 25 Big Blinds)
  • nachkaufen / auffüllen: – 25 % des ursprünglichen Buy-Ins (= 15 Big Blinds)
  • Hände: fast ausschließlich Premiumhände
  • mindestens sieben Gegner am Tisch, von denen nicht mehr als zwei Spieler ebenfalls die Short-Stack-Strategie anwenden

Warum die SSS kein Allheilmittel ist

SSS Kein Allheilmittel IstMan trifft immer wieder Leute, die von der Short Stack Strategie überzeugt sind. Der zu Grunde liegende Gedanke ist, sich mit möglichst wenig Geld an den Tisch einzukaufen und dadurch die Gegner unter Druck zu setzen: Man selbst kann aufgrund des kleinen Stacks relativ leicht All-in gehen und – wenn der Gegner sein Spiel nicht anpasst – Geld abgreifen.

Dieser Vorteil ist nicht abzustreiten, aber viele Spieler sind blind für die beiden großen Schwächen, die mit der SSS einhergehen.

1. Durch Short-Stack Strategie verliert man den größten Vorteil den es im Poker gibt

SSS Kein Allheilmittel IstDadurch, dass man sich intensiver mit dem Spiel befasst, ist man oft ein besserer Spieler als der Gegner. Dieses bessere Spielverständnis zahlt sich zwar auch bis zu einem gewissen Maße vor dem Flop aus. Aber es ist weitaus wertvoller, wenn erst einmal Karten auf dem Board liegen. Dies kann man sich ganz einfach deutlich machen: In den allermeisten Fällen ist der Vorsprung der besseren Hole Cards preflop sehr begrenzt. Hält man beispielsweise ein Paar gegen Overcards, dann gewinnt man ca. 55 % aller Showdowns. Hält man eine dominante Hand wie AQ gegen A3 ist man zu 70 % der Sieger. Und selbst, wenn man ein höheres Paar auf der Hand hat als der Gegner, gewinnt man nur in 80 % der Fälle. Man sieht also, dass die meisten Matchups ziemlich eng sind und dabei nur relativ kleine Mengen an Geld im Spiel sind. In einem Heads-Up-Match bedeutet ein Einsatz von $ 1 auf einen 80 %-Favoriten einen durchschnittlichen Gewinn von 60 Cent. Dies ist also definitiv kein Weg, um durch Poker reich zu werden.

Zum Vergleich nun ein Blick auf die Möglichkeiten in späteren Spielrunden. Zunächst einmal kann der Vorteil sehr viel größer sein. Mit einem guten Flop ist der Gegner schnell der massive Außenseiter, beispielsweise mit einer Wahrscheinlichkeit von nur noch 16 %. Kommt nun der Turn, kann er bei derselben Hand schon nur noch eine Chance von 8 % auf den Sieg haben. Und auf dem River steht der Sieger zu 100 % fest. Auf dem River eingesetztes Geld ist also zu 100 % auch Profit (oder Verlust, wenn man einen Fehler macht und den Gegner falsch einschätzt). Zudem sind die Einsätze in den späteren Setzrunden oft signifikant höher. Da die Einsatzgröße normalerweise von der Größe des Pots abhängig ist, kann man auf dem River oft Wetten sehen, die um ein vielfaches höher sind, als die vor dem Flop.

Das folgende Beispiel ist gut geeignet, um diesen Sachverhalt zu verdeutlichen:

Man hält JJ als Button in einem NL25 Spiel und erhöht preflop auf $ 1, der Big Blind callt mit ATo. Man geht als 72 %-Favorit in die Hand und hat durch die Preflopwette ca. 33 Cent Profit.

Auf dem Flop kommen T94, der Gegner checkt und man erhöht um $ 2 in den Pot, der ebenfalls $ 2 groß ist. Der Gegner geht mit. Da man inzwischen 80 %-Favorit ist, bringt einem diese Wette $ 1.20 ein. Auf dem Turn kommt eine weitere 4, man setzt $ 5 in den $ 6-Pot, wieder callt der Gegner. In diesem Moment ist man schon zu 89 % der Sieger, die Wette bringt einem also $ 3.90 Profit ein. Auf dem River kommt die dritte 4, man geht mit den letzten $ 17 All-in und der Gegner callt. Diese Wette bringt einem daher weitere $ 17 ein.

Besonders auffällig ist, wie viel Geld in den unterschiedlichen Setzrunden gemacht wurde: preflop nur $ 0.33, nach dem Aufdecken der Rivercard hingegen $ 17. Dabei ist zu beachten, dass man, wenn man preflop All-in gegangen wäre und aus welchem Grund auch immer mit ATo gecallt wird, nur einen erwarteten Gewinn von $ 11 hat. Das ist weniger als alleine die Riverbet einbringt, wenn man die Hand bis zum Schluss ausspielt. Der Grund darin liegt in der großen Wahrscheinlichkeit, noch durch einen Suckout zu verlieren, die auf dem River nicht mehr existiert.

Die meisten Gegner spielen ein eher schlechtes preflop Poker, aber postflop sind ihre Fähigkeiten einfach entsetzlich. Wenn man dies nutzt und sie in den späteren Setzrunden ausspielt, kann man ihnen eine Menge Geld abnehmen. Wenn man aber nach der Short Stack Strategie spielt, dann hat man kaum eine Chance, nach dem Flop noch aktiv in das Spiel einzugreifen und man verschenkt die große Chance, die diese Spielphase einem gibt.

2. Die Short-Stack-Strategie verhindert, dass wir ein besserer Pokerspieler werden

Dieser zweite Punkt ist wahrscheinlich noch wichtiger als der oben genannte: Die SSS ist ein reines Preflopspiel. Man wartet auf starke Hände, platziert hohe Wetten vor dem Flop und pusht, egal was für Communitycards auf dem Flop erscheinen. Wenn man so handelt:

  • muss man sich niemals Gedanken über seine Postflop-Strategie machen
  • muss man nie lernen, die Stärke einer gegnerischen Hand einzuschätzen
  • braucht man keine Readingskills
  • muss man nie lernen, verschiedene Optionen, um seine Hand noch zu verbessern, zu sehen
  • muss man keine Gesamtstrategien für sein komplettes Spiel entwerfen
  • kurzum, man muss sich als Pokerspieler nicht weiterentwickeln.

Weil alles vorgegeben und geistlos ist, muss man sich niemals voll auf das Spiel einlassen und die meisten SSS-Spieler tun dies auch nicht. Um ein besserer Spieler zu werden, muss man sich auf Situationen einlassen, in denen man seine Komfortzone verlässt und sich der Herausforderung stellt. Dabei wird man in genau diesem Moment sehr wahrscheinlich keine großen Profite machen, aber auf lange Sicht wirkt es sich sehr positiv aus: Wenn man sich selbst und sein Spiel verbessert, dann folgen die Profite diesem Trend.

Zusammengefasst ist die Short Stack Strategie ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sichert sie einem kurzfristig ein paar Dollar, anderer lässt man sich große zukünftige Gewinne entgehen. Wenn man NL-Poker spielt, um sich zu verbessern und zu lernen, dann darf man diesen Lernprozess nicht untergraben indem man den herausforderndsten und profitabelsten Teil des Spiels ausblendet!