Live und Online Poker Tells

Poker TeilDas Pokerspiel besteht aus unzähligen Facetten. Neben den Grundregeln ist auch das Verhalten am Tisch sehr wichtig. Die Spieler an den Tischen der Pokerwelt streben möglichst nach dem perfekten Pokerface. Ein Pokerface steht für einen Gesichtsausdruck ohne Emotionen oder ohne Mimik, der den Gegnern keine Rückschlüsse auf das eigene Spiel und die Hand liefert.

Der Begriff des Pokerface hat den Sprung von den Pokertischen in den Alltag längst geschafft und wird sehr häufig für Situationen gebraucht, in denen nicht wirklich Poker gespielt wird. Doch gerade beim Poker gibt es nur wenige Spieler, die das Pokerface perfekt beherrschen. Poker.de sieht sich auf dieser Seite das Gegenstück zum Pokerface an: den Tell! Wir erklären, was man unter einem Tell versteht, und geben Beispiele für Live Poker und Online Poker Tells.

Definition

Poker TellsIn der Pokerwelt versteht man unter einem Tell ein bewusstes oder unbewusstes Signal eines Spielers am Tisch. Ein Tell kann eine Geste sein oder die Art, wie ein Spieler schaut. Zu den Tells gehört eine Mischung aus Gestik, Mimik, Sprache und insbesondere dem Setzverhalten. Diese erkennbare Änderung des Verhaltens kann Rückschlüsse auf die Karten und die Spielweise des Spielers liefern.

Man unterscheidet zwischen unbewussten und bewussten Tells. Unter unbewussten Tells versteht man kleine Dinge, die jemand macht, wenn er sich unbeobachtet fühlt oder über die er sich nicht bewusst ist. Bewusste Tells sind Zeichen, die ein Spieler selbst initiiert. Bei bewussten Tells gilt es herauszufinden, was der Spieler damit bezwecken will.

Am Pokertisch gibt es auf jeden Fall unzählige Tells. Viele nimmt man aber gar nicht bewusst wahr. Es gilt, die Mitspieler aufmerksam zu beobachten, um die Tells auch zu entdecken.

Live Poker Tells

Poker TellsDie meisten Tells gibt es natürlich beim Live Poker. Ein Tell können hier schon der erste Eindruck, das Auftreten oder die Kleidung sein. Hat er Spieler am Tisch Platz genommen und seine Chips erhalten, kann auch die Art, wie dieser seine Chips stapelt, Rückschlüsse liefern. Ordnet er seine Chips sorgsam, lässt das oft auf einen konservativen Spieler schließen.

Die nächsten Tells können dann nach dem Dealen der Hole Cards folgen. Wird ein Spieler nervös, hat er oft eine gute Hand. Hält er seinen Mund beispielsweise mit seiner Hand verdeckt, versucht er Emotionen zu verstecken und könnte eine schwache Hand haben. Viele Spieler verraten sich auch, indem sie ihren Gegnern nicht mehr in die Augen schauen können oder nach dem Flop oft in die eigenen Karten blicken. Wenn ein Spieler nur mit Mühe ein Grinsen unterdrücken kann, hat er mit größter Sicherheit eine Monsterhand. Eine gute Hand hat ein Spieler oft auch, wenn er Freunden oder Partnern, die beim Spiel zuschauen, seine Hand zeigt. Mit einer schlechten Hand würde er wohl kaum bei seinen Zuschauern angeben wollen.

Ein Spieler, der schnell einen Einsatz eines anderen Spielers am Tisch callt, hat womöglich auch eine gute Hand. Er muss nicht lange überlegen, ob er weiter in der Hand bleiben möchte. Ein Spieler, der auf einmal eine aufrechte Sitzposition einnimmt, hat ebenfalls oft eine gute Hand und konzentriert sich nun besonders auf die folgende Action am Tisch. Die gleichen Indizien liefert ein Verhalten, wenn ein Spieler plötzlich ein großes Interesse für den Fortgang der Runde zeigt oder es auf einmal besonders eilig hat. Er will dann mit seiner guten Hand möglichst schnell Profit machen.

Ist ein Spieler nach einer Wette auf einmal besonders freundlich oder möchte seine Gegner in eine Kommunikation verwickeln, spielt er womöglich einen Bluff. Er versucht die Mitspieler dann vom eigentlichen Geschehen abzulenken. Auch wer seine Chips mit übertriebenem Nachdruck in die Mitte schiebt, versucht eventuell seine schwachen Karten bei einem Bluff zu kompensieren.

Auch der Klang der Stimme oder wie viel oder wie wenig jemand redet, kann ein Tell sein. Mit einer guten Hand fällt das Reden im Zweifel leichter. Ein Spieler, der viel redet und schlagartig aufhört, hat meistens eine starke Hand bekommen. Im Gegensatz kann auch ein Spieler, der nie etwas sagt, nach einer starken Hand anfangen zu plappern. Ein wichtiger Tell, der allerdings nur von weniger guten Spieler benutzt wird, ist das Setzverhalten. Unerfahrene Spieler setzen zu hoch oder zu niedrig und verraten oft durch ihr Wettverhalten ihre Hand. Es soll auch Anfänger geben, die ihre Hole Cards nur mit einem Chip sichern, wenn sie auch wirklich gut sind.

In vielen Fällen gilt: Schlechte Spieler sind stark, wenn sie schwach schauspielern und umgekehrt. Seufzen, resigniertes Achselzucken und ein gespielt trauriger Blick deuten auf starke Hände hin. Hier kommt man aber nun in den Grenzbereich zu den bewussten Tells.

Bewusste Tells

Tells können auch absichtlich falsch lanciert werden, um den Gegner in die Falle zu locken. So kann ein Spieler zum Beispiel absichtlich lange überlegen, ob er einen Einsatz callen soll, obwohl er die Nuts hat. Damit soll der Gegner dazu gebracht werden, weiter Geld in den Pot zu zahlen, obwohl er eigentlich die schwächere Hand hat. Jeder Tell kann auch als bewusster Tell eingesetzt werden. Egal ob eine gespielte Schwäche oder eine gespielte Stärke oder auch das Anstarren des Gegners und ein langer Blick in die Hole Cards.

Online Poker Tells

Entgegen der Meinung vieler unerfahrener Pokerspieler, gibt es auch beim Online Poker Tells. Hier natürlich deutlich weniger als beim Live Poker. Der erste, offensichtliche Tell am Onlinetisch sind die Spielernamen der Gegner und deren Avatare. Diese Kombination kann durchaus einige Informationen preisgeben. Ein Spieler mit dem Nickname „Machine“ könnte sich beispielsweise durch einen kühlen, berechnenden und emotionslosen Spielstil auszeichnen. Wer einen Hai als Avatar hat, sieht sich womöglich auch als guten Spieler an. Wer neu an einen Tisch kommt und nicht auf den Big Blind wartet, sondern diesen gleich setzt, egal in welcher Position, um sofort spielen zu können, ist möglicherweise ein looser Spieler, der nicht die Geduld besitzt, den Tisch kurz zu beobachten.

Der einfachste Tell am Online Pokertisch hat mit der Schnelligkeit der Aktionen zu tun. Wer schnell setzt oder callt, hat meistens eine gute Hand oder zumindest eine Hand, die noch zu einer gemachten werden kann. Viele Spieler setzen beim Online Poker mit einer guten Hand einen Haken bei dem Kästchen „Call any“ und bleiben so automatisch mit einem schnellen Call in der Hand. Wer erst lange wartet und dann eine große Wette macht, hat wohl eine starke Hand. Er versucht zuerst mit dem sogenannten Reverse-Tell eine schwache Hand zu vermitteln.

Weitere Rückschlüsse auf die Spielweise und die Karten der Mitspieler ergeben sich durch die Chat-Boxen mit Hilfe derer alle Teilnehmer kommunizieren können. Wer vorher aktiv am Chatten war und nun plötzlich schweigt, hat womöglich eine gute Hand. Die Flop Percentage, die in der Statistik einsehbar ist, gibt dem Spieler Rückschlüsse darauf, wie „loose“ der Tisch ist. Auch beim Online Poker gilt es, das Setzverhalten der Gegner im Auge zu behalten. Die meisten Spieler verraten ihre Hand durch die verschieden hohen Bets.

Auch bei Online Poker Tells ist größte Vorsicht geboten. Erfahrene Spieler täuschen Tells vor Sie machen beispielsweise eine schnelle Bet, wenn sie bluffen oder brauchen lange bei einer starken Hand. Zudem setzen viele immer nur 2/3 Pot, da sie noch mehr Value aus der Hand bekommen möchten.

Tricks der Profis

Erfahrene Spieler, haben so ihre eigenen Tipps und Tricks, wie sie mit Tells umgehen. In erster Linie versuchen sie eigene Tells zu vermeiden. So nutzen sie beispielsweise Kapuzenpullis oder Schals, um ihre Halsschlagader zu verdecken, die bei Aufregung oder Nervosität pochen und sie verraten könnte. Oder sie versuchen eigene Emotionen durch Sonnenbrillen oder Basecaps zu verstecken. Mit Kopfhörern und MP3-Playern verziehen sich einige Spieler in ihre eigene Welt, in der sie versuchen möglichst, keine Tells von sich zu geben. Poker Superstar Daniel Negreanu hat manchmal eine eigene Taktik. Er geht laut einige Hände durch, die sein Gegner möglicherweise halten könnte. Dabei beobachtet er genau, ob er bei seinem Gegner eine Änderung in der Haltung oder ein Zucken im Gesicht erkennen kann, wenn er eine bestimmte Hand nennt.

Wie lerne ich Tells zu erkennen?

Für Tells gelten die gleichen Regeln wie fürs Pokern allgemein. Das wichtigste ist „üben, üben, üben“ und Erfahrung sammeln. Je mehr Zeit ein Spieler an den Tischen verbringt, desto besser wird seine Sensibilität für Details. Vor allem an den Live Tischen gilt es, seine Gegner genauestens zu beobachten und eine gute Intuition zu entwickeln.

Beim Verbessern der eigenen Tellfähigkeiten können auch Bücher hilfreich sein. Das Standardwerk zum Thema Tells ist Mike Caros Buch „Book of Tells“. Caro hat jahrelang selbst gegen die besten Spieler der Welt gepokert und hat seine Erfahrungen in einem Buch festgehalten. Für Anfänger sind Caros Ratschläge, da sie aus Sicht eines Profis geschrieben sind, allerdings nicht immer einfach zu verstehen. Caros Buch stammt zudem aus einer relativ frühen Phase des Pokerbooms und wirkt heute stellenweise etwas veraltet. Trotzdem liefert es einen unverzichtbaren Einblick in die Welt der Tells.

Als Ergänzung dazu bietet sich das Buch von Joe Navarro mit dem Titel „Read'em and Recap: A Career FBI Agent's Guide to Decoding Poker Tells“ an. Navarros Buch verwendet wissenschaftliche Methoden nd basiert auf gesammelten Daten aus Experimenten zu Verhaltensmustern. Navarro ist ein ehemaliger FBI-Beamter, der früher daran arbeitete, Anzeichen dafür zu entdecken, ob jemand log, etwas verschwieg oder versuchte, ihn in die Irre zu führen. Navarro versucht in seinem Buch, den Leser dazu zu bringen, seine intuitiven Fähigkeiten zu trainieren, auf die Details zu achten und die wichtigen von den unwichtigen zu unterscheiden.