Reverse Implied Odds

Reverse Implied Odd PokerErfolgreiche Pokerspieler kennen sich mit Themen wie Mathematik aus und wissen, wie sie mit Begriffen wie Outs, Odds, Pot Odds und Implied Pot Odds umgehen. Noch einen Schritt weiter geht das Konzept der Reverse Implied Odds. Besonders im No Limit Hold'em Poker sind sie von wesentlicher Bedeutung. Poker.de erklärt was Reverse Implied Odds sind und wie man am besten mit ihnen umgeht.

Definition

Reverse Implied Odds, oder auf Deutsch die „Umgekehrten implizierten Wahrscheinlichkeiten“, sind ein Konzept des US-amerikanischen Pokerspielers und Autors David Sklansky, welche er in seinem berühmten Werk “Theory of Poker” einführt und erklärt. Reverse Implied Odds oder kurz RIO bezeichnen ein Phänomen in einer marginalen Handsituation, in der man keine Initiative besitzt.

Im Gegensatz zu den Implied Pot Odds berücksichtigen Reverse Implied Odds mögliche Verluste, falls der Gegner im Laufe der Hand sein Blatt noch verbessert oder schon das bessere Blatt hält. Implied Pot Odds berücksichtigen das Geld, welches noch in den Pot gelangen könnte. RIO sind dagegen lediglich eine situationsabhängige Erweiterung von Implied Odds.

Reverse Implied Odds werden wichtig, wenn ein Spieler mit einer durchschnittlichen Hand und nur geringen Chancen auf eine Verbesserung womöglich aktuell die stärkste Hand hat, aber noch ein oder mehrere Gegner im Spiel sind, die setzen oder erhöhen. Hat der Gegner schon ein gutes Blatt oder kann seine Hand noch verbessern, ist davon auszugehen, dass er auch in den nachfolgenden Runden setzen wird. Hat der Gegner dagegen schlechte Karten, wird er wohl nicht setzen oder sogar seine Hand folden. In diesem Fall müssten Sie mehr Geld einsetzen um herauszufinden, dass Sie geschlagen sind, als dafür, dass Sie gewonnen haben.

Wer zum Beispiel die Nuts hat, muss sich nur mit den Implied Odds beschäftigen. Wer nicht die Nuts hat, kommt oft in eine Reverse Implied Odds Situation, da immer die Gefahr besteht, dass er nur die zweitbeste Hand hat. Bei Reverse Implied Odds können sich Odds in bestimmten Situationen zum Negativen verändern:

Situationen mit Reverse Implied Odds

• Der Spieler weiß die eigene Hand nicht richtig einzuordnen
• Die Chancen eine bessere Hand zu bekommen, als der Gegner sie hat oder als der Gegner sie noch bekommen kann, sind gering
• Ein Call würde den Spieler an den Pot binden
• Der Gegner sitzt in „early position“ (also rechts von einem selbst)
• Der Spieler hat weitere Gegner, die nochmals raisen könnten

Beispiele für Reverse Implied Odds

Beispiel 1: Spieler A pokert gegen zwei Gegner. Ein Spieler setzt eine Bet, der andere Gegner erhöht. Spieler A hat eine gute Hand, womöglich sogar die beste am Tisch. Doch es besteht die Option, dass einer der Gegner oder beide ein starkes Draw oder ein höheres Pair, eine fertige Straße, zwei Paare oder auch ein Set halten. Es besteht also die Gefahr, dass Spieler A noch mehr bezahlt, nur um dann herauszufinden, dass er eigentlich schon geschlagen war oder auch, dass einer der Gegenspieler im Laufe der Hand zum Beispiel noch die fehlende Karte zu seinem Draw bekommt und seine Hand dadurch verbessert. Die Gegner werden nur weniger Action machen, wenn sie gar nichts auf der Hand haben oder deren Karten deutlich schwächer sind. Spieler A würde in diesem Fall weniger gewinnen, wenn er vorne liegt, gleichzeitig aber mehr verlieren, wenn seine Hand schlechter ist als die eines Gegners. Das schlägt sich auf die Pot Odds nieder und so lohnt sich ein Call in diesem Fall kaum.

Beispiel 2: Spieler A coldcallt A-J im SB nach einem Openraise von MP. Der Flop kommt mit A-5-2r und Spieler A c/c eine Bet. Jetzt kommt eine 10 auf dem Turn und Spieler A bekommt nach einem Check eine weitere Bet. Jetzt sitzt Spieler A mehr oder weniger in der Patsche, weil der Gegner die Kontrolle über das Setzen im Pot hat und es für Spieler A wahnsinnig schwer wird zu folden, aber auch extrem schwer ist, überhaupt Value zu extrahieren. Versucht Spieler A hier zu raisen, isoliert er sich zu 100% von allen schwachen Händen und bekommt nur Action von Händen, gegen die er weit hinten ist (AK und AQ zum Beispiel) Entweder Spieler A gewinnt das Minimum mit seiner Hand, weil der Gegner nach einem weiteren Call beispielweise einfach behindchecken würde und Spieler A keine weiteren Bets kassiert. Oder aber Spieler A verliert einen großen Pot, weil er immerhin „Top Pair, Good Kicker“ hat, jedoch überhaupt keinen Anhaltspunkt über die Hand des Gegners besitzt.

Wie spiele ich Reverse Implied Odds?

Vereinfacht kann man sagen, dass Sie mit einem Draw in einer Situation mit Reverse Implied Odds nur dann callen sollten, wenn Sie gute Pot Odds haben. Anderenfalls sollten Sie den Draw am besten aufgeben, da die RIO in der Regel bedeutender sind, als die Pot Odds. Die sichere Variante ist ein Fold in Situationen mit schlechten Reverse Implied Odds.

Gute Pokerspieler vermeiden, in gefährliche Situationen mit Reverse Implied Odds zu geraten. Allerdings ist es oft schwierig, die Situation richtig einschätzen zu können. So kann eine Hand mit vielversprechenden Implied Odds in einem 100-BB Spiel durch Reverse Implied Odds zu einer riskanten Hand in einem 500-BB Spiel werden. Zum Beispiel ist ein Set bei 100-BB meistens eine Hand, die man ohne zu zögern spielen sollte. In einem Spiel mit 500-BB ist die Chance aber hoch, dass Sie mit einer solchen Spielweise nicht erfolgreich sind.

Wer sich in einer Hand befindet, in der er eher callen als betten oder check-folden will, hat dadurch schon mal gute Anhaltspunkte, dass er sich in einer RIO Situation befindet. Deswegen ist es wichtig, schon vorher zu überlegen, ob man in eine RIO Situation geraten könnte, damit man so auf späteren Streets bares Geld sparen kann. Sowohl IP als auch OOP sind diese Situationen die kompliziertesten im Poker, da man einfach nicht weiß, wo man steht, weil man weder Kontrolle im Pot, noch die Initiative an einem Punkt in der Hand übernommen hat. Man spielt sozusagen Ratespielchen und als guter Pokerspieler will man nie handeln, ohne genau zu wissen, warum man so oder so handelt.