Cash Game Strategien für Online Texas Hold’em Poker

Live Poker Cash GamesIn diesem Artikel dreht sich alles um das Cash Game beim No Limit Texas Hold'em Poker, der sogenannten Königsdisziplin der Pokerszene. Anders als beim Turnierpoker gibt es bei beim Cash Game kein Preisgeld für Platzierungen. Somit gibt es ebenfalls keine Gewinnsprünge, keine Bubblephase oder andere Nebeneffekte, die das Spiel eines Pokerspielers beeinflussen sollten. Im Turniermodus kann es möglich sein, dass man im Geld landet, obwohl man nicht jede Hand gut gespielt hat. Beim Cash Game gilt es jedoch möglichst immer, sein bestes Poker zu zeigen, denn nur dann kann man auf lange Sicht auch profitabel Poker spielen. Wir zeigen daher in diesem Artikel einige Informationen und Tipps, mit denen man sein Spiel so verbessert, dass man zu den profitablen Pokerspielern gehört. Heute beginnen die meisten Pokerspieler gleich mit dem Online Poker Spiel. Diejenigen, die dranbleiben, stellen ihre Pokerkenntnis auch früher oder später im Casino beim Live Poker auf die Probe. Poker.de möchte hier einen Überblick über die Eigenarten der beiden Spielphilosophien vermitteln, damit man gut auf das Spiel vorbereitet ist. Wir beginnen analog zum Werdegang der meisten deutschen Spieler mit dem Online Cash Game und werden später auf Unterschiede, die beim Live Poker zu beachten sind, eingehen.

Cash Game Besonderheiten

Beim Cash Game sind die Chips bares Geld wert. Es ist klar geregelt, wie viele man mit an den Tisch bringen darf. Meist kann man sich für einen Wert von 25 – 200 Big Blinds einkaufen. Einzigartig im Cashgame ist auch, dass man sich jederzeit neue Chips kaufen kann. Selbst wenn man seinen gesamtes Chipstack verloren haben sollte, kann man sich wieder neu ins Spiel einkaufen.

Die Wahl eines geeigneten Pokerraums

Live Poker Cash GamesDie erste Frage, die man sich beim Online Poker stellen sollte, ist folgende: Auf welcher Pokerseite möchte man spielen? Im Netz gibt es mittlerweile Hunderte von Anbietern und jeder behauptet, der beste zu sein. Grundlegend unterscheiden sich die Seiten in der Optik, den angebotenen Buy In-Leveln, den Bonusprogrammen und der Anzahl der aktiven Spieler.

Man kann sich entsprechend seiner Wünsche einen passenden Pokerraum aussuchen und den Client herunterladen. Einige Pokerräume bieten auch ein "Instant Play" an, das heißt, man kann direkt im Browser spielen und muss keine weitere Software herunterladen. Die Installation der Software ist im Regelfall sehr simpel und dauert nur wenige Minuten. Jetzt gilt es, den eigenen Account zu eröffnen. Dazu muss man sich einen Spielernamen aussuchen und die erforderlichen persönlichen Daten, wie z. B. E-Mail-Adresse eingeben. Die Angaben sollten der Wahrheit entsprechen, denn die meisten Pokerseiten überprüfen diese und behalten sich das Recht vor, Konten zu sperren, wenn diese mit fehlerhaften Angaben eröffnet wurden. Gerade im Hinblick auf spätere Auszahlungen muss man sein Konto verifizieren können. Dann steht dem Spielspaß auch eigentlich nichts mehr im Wege.

Tischauswahl und Bankroll Management

Live Poker Cash GamesNeben der Auswahl der Pokerseite ist es ebenso wichtig, dass man sich für das richtige Spiel entscheidet. Man kann bei den meisten Pokeranbietern zwischen 6-Max und Full Ring Cash Game Tischen auswählen. Bei 6-Max sitzen, wie der Name impliziert, nur sechs Spieler am Tisch. Dadurch gibt es mehr Action und das Spiel läuft schneller. Beim Full Ring handelt es sich um das traditionelle Pokerspiel mit 8 bis 10 Spielern. Für Anfänger eignet sich wohlmöglich ein Full Ring Tisch, da beim 6-Max auf den meisten Seiten deutlich mehr erfahrene Spieler unterwegs sind.

Neben der Spieleranzahl muss man sich auch für ein Limit entscheiden. Auf den großen Pokerseiten werden Limits in allen Größenordnungen angeboten und die Blindgrößen liegen zwischen 0,02 Dollar und 400 Dollar. Ebenso ist es beim Online Poker möglich, mehrere Tische gleichzeitig zu spielen und somit das Volumen zu erhöhen. Doch gerade als Anfänger sollte man immer nur eine Anzahl von Tischen spielen, die man noch überblicken und kontrollieren kann. Je mehr Tische gespielt werden, umso weniger Zeit hat man für knifflige Entscheidungen und umso weniger kann man die Kontrahenten analysieren.

Bei der Limitwahl sollte man sich immer an ein striktes Bankroll Management halten, um nicht das gesamte Spielkapital (=Bankroll) zu riskieren. Jeder Spieler der Welt hat Höhen und Tiefen in seiner Pokerkarriere, denn neben dem spielerischen Können beeinflusst auch der Faktor Kartenglück die Bankroll. Diese Schwankungen im Spiel nennt man Up- und Downswings. Dass diese Phänomene auftreten, ist völlig normal. Aus diesem Grund sollte man beim Online Cash Game eine Bankroll von mindestens 20 Buy-Ins besitzen. Spielt man also z. B. ein Limit mit einem Big Blind von 5 Cent und einem maximalen Buy-In von 5 Dollar, sollte man eine Bankroll von mindestens 100 Dollar aufweisen.

Es kann niemand garantieren, dass man nie die gesamte Bankroll verspielt, aber mit einem vernünftigen Bankroll Management ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich geringer. Sollte man das gespielte Limit mit soliden Profiten schlagen und über eine ausreichende Roll verfügen, kann man dann auch irgendwann ohne Bedenken im Limit aufsteigen. Fällt man jedoch unter 20 Buy-Ins zurück, sollten man wieder in das kleinere Limit zurückwechseln.

Wie spiele ich vor dem Flop?

Bereits das Preflop Spiel ist sehr entscheidend für den Erfolg an Cash Game Tischen. Besonders wichtig ist es, die Starthände richtig einzuschätzen. In Anbetracht der Position am Tisch muss man entscheiden, ob man mit seinen Handkarten setzen will. Grundlegend ist zu erwähnen, dass man beim Cash Game in den meisten Fällen folden oder betten sollte. Das Callen der Blinds (Limpen), um möglichst viele Flops zu sehen, zahlt sich auf lange Sicht nicht aus.

Insgesamt lassen sich geeignete Starthände beim No Limit Texas Hold'em gut nach der Position am Tisch erläutern. Dabei unterscheiden wir unter folgenden Positionen: Early Position (UTG - UTG+2), Middle Position (MP1 - MP2/3), Late Position (CO und BU), Small Blind (SB) und Big Blind (BB).

Gruppe 1 – Early Position

Diese Gruppe sitzt direkt hinter dem Big Blind und ist demnach als erste dran. Wenn man in einer dieser drei Positionen sitzt, sollte man nur mit wirklich guten Händen spielen, den sogenannten Premiumhänden. Diese umfassen die Nuts (zwei Asse), die Pocket Könige, Damen und Buben. Ebenfalls kann aus dieser Position AKs (=suited: in einer Farbe) gespielt werden. Die Chance auf dem Flop einen Drilling zu treffen, liegt bei ca. 12 %. Auch ohne Set liegt man mit den Premiumhänden nach dem Flop oft vorne.

Wenn man spielen will, sollte der Standard-Move eine 3-Bet sein. Das heißt, dass man den dreifachen Wert des Big Blind setzt.

Gruppe 2 – Middle Position

Wenn man in einer mittleren Position sitzt, hat man den Vorteil, dass schon drei oder mehr Spieler gesetzt oder gefoldet haben. Somit ist es leichter, eine Entscheidung zu treffen. Sollte ein Spieler zuvor eine 3-Bet/4-Bet gespielt haben, wird er voraussichtlich eine Premiumhand halten. Am besten nimmt man an, dass der Gegner die gleichen Starthände spielt, wie man selbst. Dies sollte man zumindest so lange tun, bis man einige Hände gegen den Gegner gespielt hat und ihn dann besser einschätzen kann.

Wurde bis zu einem selbst gefoldet, kann man die Range etwas erweitern. Nun lassen sich auch Hände wie TT, 99, 88, AQs, AJs und AK spielen. Am besten wäre es, wieder mit einer 3-Bet einzusteigen. Hat man eine Starthand für die frühe Position, kann man auch callen, wenn zuvor gesetzt wurde. Mit AA oder KK bietet sich dann auch ein weiteres Raise an.

Gruppe 3 – Late Position

In diesen Positionen sollte man seine Range nochmals erweitern, sofern zuvor niemand gebettet hat. Folgende Karten sollten dann in der Range auftauchen: 77, 66, 55, A10s , AQ, AJ, KQs, ATs. Gerade am Button kann man auch weitere Kombinationen derselben Farbe mit einem Ass, oder höhere Suited Connectors (z. B. JTs) spielen.

Wiederum sollte man die Range des Gegners bei Bets in früheren Positionen nach diesem Muster bewerten. Man sollte nur callen, wenn man sich sicher ist, eine bessere oder gleichwertige Hand zu halten. Raisen sollte man, wenn man sich sicher ist, stärker zu sein.

Gruppe 4 – Small Blind

In dieser Position sollte man aggressiv spielen. Danach kommt nur noch der Big Blind. Mit einer Bet hat man gute Chancen, den Big Blind zu stehlen und damit einen kleinen Profit zu machen. Natürlich kann man nicht wissen, ob die eigene Hand besser ist, als die des Gegners. Aber der Gegner weiß auch nicht, wie stark die eigene Hand wirklich ist. So wird er immer wieder kleine Suited Connectors, hohe Karten mit kleinem Kicker, etc. folden, obwohl er vielleicht die bessere Hand hält. Bekommt man ein Reraise, gilt es, die Situation neu zu bewerten und die Range für einen Call oder ein erneutes Raise erheblich zu verkleinern.

Gruppe 5 – Big Blind

Im Big Blind muss man als letzter Spieler eine Entscheidung treffen. Somit hat man im Preflop-Spiel die angenehmste Position inne. Wie im letzten Abschnitt beschrieben, wird vor allem der Small Blind, aber auch der Spieler am Button wiederholt versuchen, die Blinds zu stehlen. Raisen die Spieler von diesen Positionen auffällig oft, sollte man mit halbwegs passablen Händen callen oder sogar raisen.

Wenn man sich an diese groben Richtlinien hält, wird man in seinem Preflop Spiel in deutlich weniger schwierige Situationen geraten und kann somit ein Fundament für ein profitables Cash Game legen.

Das richtige Postflop Spiel

Nach dem Flop kann man einigen einfachen Regeln folgen: Wenn man eine gute Hand trifft, zum Beispiel mit dem Top Paar oder besser, sollte man bei den weiteren Setzrunden (Streets) eine Bet platzieren. Wenn der Gegner jedoch eine Bet oder einen Raise durchführt und die Gemeinschaftskarten darauf hindeuten, dass der Gegner sehr wahrscheinlich eine noch bessere Hand hält, muss man in der Lage sein, seine Hand zu passen. Dies gilt insbesondere für Situationen, in denen man ein oder zwei hohe Paare oder einen Drilling hält, der Kontrahent durch ein ungünstiges Board jedoch einen Flush oder einen Straight vollenden haben könnte.

Wenn Sie auf dem FLop nichts getroffen haben oder nicht daran glauben, die stärkste Hand zu halten, sollten Sie in der Lage sein einschätzen zu können, wie hoch Ihre Chance auf eine Verbesserung Ihres Blatts ist. Um dies einschätzen zu können, müssen Sie auf zwei Faktoren achten: Durch die Anzahl der Karten, welche die Hand verbessern (Outs), können Sie die Wahrscheinlichkeit berechnen, mit der Sie den Pot gewinnen. Auch Pot-Odds sollten Sie zu Rate ziehen, um sich zu entscheiden, ob sich Ihr Call abhängig von der Größe des Pots überhaupt noch lohnt. Dieses Basiswissen sollten Sie sich unbedingt aneignen, um erfolgreich zu pokern.

Tight spielen!

Das Cash Game hat einen Vorteil: Der Spieler gerät nie unter Zeitdruck. Die Blinds erhöhen sich nicht und man kann immer wieder Chips nachkaufen. Somit kann man geduldig auf seine Chance warten und muss nichts überstürzen. Der Spieler kann es sich leisten, auf gute Starthände zu warten. Vor allem in frühen Positionen sollte man nur mit starken Händen ins Spiel einsteigen. Je später die Position ist, desto häufiger kann man dann auch mit etwas schwächeren Händen mitspielen. Wer einmal mitspielt, sollte dann aber aggressiv spielen und setzen oder erhöhen. Zudem sollte man es, da man am Anfang eines Spiels die Gegner noch nicht alle kennt, ruhiger angehen lassen. Wenn die ersten Hände nicht gerade Monster enthalten, dann foldet man lieber und nutzt die gewonnene Zeit zur Analyse der Gegner.

Unterschiede zum Live Poker

Bei den Online Cash Games gibt es einige gravierende Unterschiede zum Live Poker im Casino. Einerseits ist die Auswahl an Tischen in einem Casino begrenzt, es werden nicht immer alle Limits gespielt. Grundlegend sollte man sich vor einem Casinobesuch darüber informieren, welche Limits und Spielvarianten angeboten werden. Es ist davon abzuraten, Limits zu spielen, bei denen man sich nicht wohlfühlt.

Des Weiteren ist das Game Play beim Live Poker grundsätzlich deutlich anspruchsvoller. Während man beim Online Poker sein eigenes Stack und die Stacks der Gegner bequem auf dem Bildschirm angezeigt bekommt, muss man beim Live Poker selber die Ordnung und Kontrolle über seine Chips bewahren. Hat man einmal Chips in die Mitte geschoben, kann dieser Move nicht zurückgenommen werden.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Online und Live Poker ist die Spielgeschwindigkeit, Online werden viel mehr Hände pro Stunde gespielt. Dies ist nicht verwunderlich, da dort das Mischen und das Zählen von Chips automatisiert ist. Hier ist der Computer einfach schneller als der Mensch.

Der Rechner kann beim Online Poker auch noch für andere Vorteile sorgen. Mittlerweile gibt es verschiedene Programme, welche die Daten von gespielten Händen speichern und analysieren. So kann man sich zum Beispiel anzeigen lassen, wie viele Hände man gegen Spieler XY gespielt hat, wie oft er Preflop eine 3-Bet und nach dem Flop eine C-Bet platziert oder wie oft er im Big Blind folded, wenn vor ihm geraist wird. Dabei kann man entscheiden, welche Informationen man für sein Spiel benötigt. Im Casino hat man diese Möglichkeiten natürlich nicht. Alle Informationen kann man dort nur durch hohe Aufmerksamkeit und Konzentration sammeln. Mit steigender Erfahrung kann man die wichtigen Informationen einfacher herausfiltern. Zur Not kann man sich auch ein paar Notizen auf einem Zettel machen. Wenn man weiß, mit welchen Karten die Gegner in einen Showdown gegangen sind, fällt es leichter, die Range in späteren Situationen einzuschätzen.

Ebenso gilt es zu erwähnen, dass man in der Regel beim Live Poker mindestens 50 Buy-Ins besitzen sollte, um von einem vernünftigen und verantwortungsvollem Bankroll Management sprechen zu können.